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»scarlett johansson«

Was ist das, was zeigt sie uns da? Sie, die Lichtbildgestalt, die sich »Die Schwester Der Königin« nennt. Was fällt ihr ein mit profanem Hollywoodkitsch des Königs Zeit zu verschwenden? Um die Herrlichkeit der ersten Liebesnacht zu illustrieren, verkleistert sie unser geheiligtes Augenlicht mit malerischen Sonnenaufgängen über Wiesen, die von der Morgensonne golden schimmern, und schon zu Beginn ziehen die Wolken bedeutungsschwanger am Himmel entlang. Jammervolles Geigengefidel quält des Königs Ohr, immer wenn sie besonders dramatisch sein will.
Doch wir müssen gestehen, ein wenig gefällt es uns schon, wie sie uns die zwei Schwestern zur Schau stellt. Beide vom Herrgott mit strahlender Schönheit gesegnet und reich an Jugend. Die eine, herzensgut, blond und vollbusig. Naiv und immer etwas irritiert schaut sie in die Welt, den roten Schmollmund halb geöffnet. Die andere, willensstark, ehrgeizig und wortgewandt, bezaubert uns mit ihrem anmutigen Gesicht und den braunen Rehaugen, die so herrlich flehend dreinblicken können. Aber ein liebreizendes Antlitz und farbenfrohe, prächtige Kostüme allein genügen nicht, den König zu amüsieren!
Die Verräterin, das verhängnisvolle Missverständnis, die dramatische Zuspitzung, dann ein Fünkchen Hoffnung und zum Schluss bekommt jeder, was er verdient. Die Machtgierigen werden bestraft, die Bescheidenen erwartet ein glückliches Familienleben. Ein pseudohistorischer Bezug rundet das Schauspiel ab. Mit dieser allzu klassischen und geradlinigen Inszenierung beleidigt sie des Königs Schöngeist und taugt allenthalben dazu, dem gemeinen Pöbel oberflächliche Kurzweil zu bescheren.
Wir hätten nicht übel Lust, sie auf dem Scheiterhaufen brennen zu sehen, doch edle Männer zeichnen sich durch Großmut aus, wie sie ja selbst sagte. Darum lassen wir Gnade vor Recht ergehen – hinfort mit ihr und wage sie es ja nicht, uns jemals wieder unter die Augen zu treten!
In der Praxis ist das Kino wie ein Leben nach dem Tod.
Pier Paolo Pasolini.

Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich möchte nur nicht dabeisein, wenn's passiert.
Woody Allen

Bekanntlich ist man erst hinterher schlauer. Dann wenn Drehbuch und Leben fertig vor einem liegen. Gemein, wenn einem die ganz große Story, der Knüller, erst auf dem Styx im Smalltalk gesteckt wird. Dann, wenn es zu spät und sowieso egal ist. Aber so wie der Filmemacher den Film von Außen betrachten kann, kann der Journalist auf die Bühne und Leinwand zurückkehren, um nicht ganz uneigennützig dem menschlichen Handeln einen Sinn und die entscheidenden Hinweise zu geben. Joe Strombel taucht im magischen Kasten auf, um Sondras, Splendinis und das Leben des Zuschauers, durcheinander zu bringen. Zum einen die schöne Journalistin, deren Körper sie vor guten Texten abhält, und der Magier, der sich auf immer gleichen Phrasen und eingespielter Täuschung ausruht. Der Kriminalfall stellt die beiden vor ein Chaos von Möglichkeiten, ein Suchen nach Relationen und Bedeutungen, die eine Lösung durch Kontinuität benötigen. Erst am Ende, wenn der Film stirbt, wird die Montage vollständig verständlich und die einzelnen Sequenzen zu einer genau beschreibbaren Vergangenheit. Nur dank des Todes und dem Leben nach dem Kino kann es Kino geben.
Erst hinterher weiß man, dass die beständige Ahnung, dass alles schon immer so ist, wie man von Anfang an vermutet hat, auch wirklich zutrifft. Mord und Mörder sind überflüssig und werden nur schwach zitiert. Um Wahrheit geht es nicht – allein um die Story. Die Frage ist nur, wie sie erzählt wird. Und die Kunst besteht in der Täuschung und Verwirrung. Nichts darf ein seinem Ort sein – sonst wären Leben und Drehbuch langweilig:
Mal ist niemand in der Kiste, dann ist die Frau wieder da; Tote werden lebendig; Tarot-Karten und ein Schlüssel unter einem Waldhorn; der Liebhaber, der zufällig vor dem China-Imbiss vorbeiläuft, obwohl er doch eigentlich vereist sein sollte; Autofahren auf der falschen Straßenseite; der verschrobene Sid, der die aristokratische Gesellschaft mit Kartentricks aufmischt, etc. Es geht darum die Dinge, die immer schon am falschen Ort sind, letztendlich doch in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen – Überraschung – oder vielleicht doch nur um Anschlussfähigkeit.
Wenn Woody Allen von den Toten auferstehen sollte, hoffe ich, dass ihm auf seinem Weg zum Hades spannendere Knüller zugeflüstert werden. Scoop ist trotz des sehr unterhaltsamen Woody eher eine Ente, und das Gefühl, das ich aus dem Kino mitnehme, ist, einen Film lang, aufgrund der überwiegend abendrötlicher Szenenbeleuchtung, einer Sonne beim Sinken zugesehen zu haben.

Scoop - Der Knüller
R: Woody Allen
D: Woody Allen, Scarlett Johansson, Hugh Jackman u.a.
UK / USA 2006



Hörempfehlung:

Hörspiel - Woody Allen: Der Tod. Übers. a. d. Amerikan.: Peter Stephan Jungk. Regie: Peter Michel Ladiges. RB, SFB, SWF, 1981.