4 items on »Film und Kritik« tagged with

»remake«

Aus den Tiefen des Alls landet ein Raumschiff in den USA. Ihm entsteigen zwei Wesen – Klaatu und sein Roboter Gort, wie wir später erfahren werden. Gekommen sind sie als Repräsentanten einer Föderation extraterrestrischer Zivilisationen. Kurz vor dem ersten freundschaftlichen Kontakt mit einem Menschen wird Klaatu jedoch angeschossen – kein verheißungsvoller Start. Seinem
Wunsch, mit den Führern dieses Planeten zu sprechen und ihnen eine wichtige Botschaft zu übermitteln, wird nicht nachgekommen, statt dessen kommt er unter militärischer Bewachung in ein Labor. Von dort entkommt er jedoch und mischt sich unter die Menschen, um sie zu verstehen und um eine Entscheidung zu treffen.
Die technologische Entwicklung der Menschheit wird langsam zu einer Bedrohung für den Planeten Erde und auch für außerirdische Nachbarn. In nicht ferner Zukunft werden wir in der Lage sein, fremde Sterne zu bereisen. Die aggressive und gefährliche Art der Menschen ist dann nicht länger zu tolerieren. Die Entscheidung ist also eine folgenschwere: Stirbt die Erde, sterben die Menschen.
Sterben die Menschen, lebt die Erde.
Doch unter den Menschen trifft Klaatu einige, die anders sind, die nicht dem Typus entsprechen, den er fürchtet. Menschen, die die Gefahr erkennen und bereit sind, sich zu ändern. Liebende Menschen, die für einander da sind. Menschen, die Hoffnung haben. Und so beschließt Klaatu, die Bewohner der Erde mit einer unglaublichen Demonstration seiner Macht zum Zuhören zu bewegen
und hinterlässt ihnen eine Warnung. Die Demonstration ist das Anhalten aller menschlichen Technologie, außer solcher, die zum Überleben notwendig ist, etwa Krankenhäuser oder sich in der Luft befindliche Flugzeuge.
Sollten sich die Menschen ändern und verantwortungsbewusster werden, steht einer friedlich
Koexistenz nichts im Wege. Ist dies nicht der Fall, ist das Ende unausweichlich. Der Film ist ein großartiges Plädoyer gegen atomares Wettrüsten, für Völkerverständigung und einen verantwortungsbewussten Umgang mit unserem Planeten. So kommt es, das 'Der Tag, an dem die Erde still stand' seine Spannung und Dramatik nicht aus pektakulären Action-Szenen bezieht, es ist kein schneller und hektischer Film. Die wachsende Unsicherheit, die sich beim Publikum breit macht, wie Klaatu letztendlich entscheiden wird, ist fesselndes Element genug.
Schade, dass dies im aktuell laufenden Remake des Films nicht der Fall ist.


Damals, zur 56. Berlinale hab ich (manche in Zusammenarbeit mit Wenke W.) ein paar Filme über die Berlinale gemacht. Nun sind sie in einem leichter konsumierbaren Format wieder im Netz. Alle damaligen Filme finden sich hier:

http://www.vimeo.com/album/62368

Der obige Film bezieht sich übrigens auf den Meister der festen Einstellung James Benning, der 2006 mit mehreren Filmen im Forum war.

Auf die Filmkritikfilme weise ich nur deshalb mal wieder hin, weil diese andere Form der Auseinandersetzung mit Film hier in letzter Zeit so selten war und ich nochmals alle herzlich dazu einladen möchte.
Der Film ist vorbei und nachdem ich mir mehrfach die Augen zugehalten habe, weil ich literweise schwarzes Blut nicht mehr sehen wollte, verlasse ich den Kinosaal noch vor Ablauf des Abspanns mit den letzten anderen Gästen. Ich will hier nicht allein als letzter sitzen. Ich fürchte mich nicht: ich habe Angst. Ich habe Angst, weil ich einen ganzen Film im vermoderten, halb braunen, mondfahlen Licht dieses widerwärtigen Films gedämmert habe. Ich habe Angst, weil ich mit beispiel- und sinnloser Ernsthaftigkeit die verrottete Gummihaut eines 4 m großen Psychopathen und die vergammelten Reste eines gruftartigen Hauses ertragen musste.

Am allermeisten habe ich aber Angst, dass jetzt die schöne lustige Postmoderne vorbei ist, die das Kino nicht neu erfunden, aber plötzlich im Alten ganz neue Dinge entdeckt hat. Ich habe es immer genossen statt Errol Flynn Jonny Depp über die Weltmeere tänzeln zu sehen. Ich liebte Action-Helden, die keine mehr waren sondern stattdessen von einem Schnitt zum nächsten durch die Welt montiert werden wie Jason Bourne. Und letztlich ging ich ins Kino um zu sehen, wie das Kino den Horrorfilm selbst sieht und statt eines lauten Screams ein großes süffisantes Lächeln mit mir herumzutragen. Das postmoderne Kino konnte endlich laut und selbstbewusst feiern, was man bei John Wayne nur als Ironie sehen konnte, wenn man wusste, dass er nicht nur Männlichkeit war, sondern sie selbst auch liebte.

Von all den Doppelbödigkeiten, die Hollywood in seinen besten Momenten in den letzten dreißig Jahren produzierte hat ohne darauf auszurutschen, bleibt hier nur eine Zwischenwand, hinter der sich – ganz im Ernst – eine Frau vor einem Monster verbirgt, das es auch ganz im Ernst sehr sehr ernst meint. Wo die Coen-Brüder eine Leiche im Gartenhexler als Lust an der roten Farbe auf der Leinwand inszenieren, langweilt mich ein Mann mit dem völlig inakzeptablen Nachnamen Zombie mit stundenlangen Psychostudien, in denen ein 5 m großer Mann sich Lehm auf seine Neandertaler-Füße schmiert.

Ich will die Postmoderne zurück! Ich will keine ernst gemeinten Morde im Kino, ich will keine echten Schreie, sondern wenn, dann will ich schreien, weil die Ironie nicht auszuhalten ist. Hier ist nur die Übertreibung nicht auszuhalten: jeder Mord ist ein bisschen länger und detaillierter ausgemalt und es gibt immer ein paar mehr Tote. Wenn ein Remake originaler ist als das Original, könnte das auch postmodern sein. Könnte! Aber das hier ist leider Gottes ernst.
Vergleicht man den Filmanfang von Halloween aus dem Jahr 1978 mit dem des aktuellen Remakes, offenbart sich bereits die grundsätzliche Differenz: Während der Low-Budget-Klassiker mit einer unendlich langen subjektiven Kamerafahrt besticht, die die Sicht des jungen Psychopathen Michael Myers einnimmt und in einer unheimlichen Art und Weise das Geschehen im nächtlichen Elternhaus aus nächster Nähe darstellt, findet man sich zu Beginn von Rob Zombies Remake umringt von brüllenden Freaks wieder: »Scheiße, Titten, Pimmellutscher, Schwuchtel, Schlampe.«

Starke Worte, die bezeichnend sind für die unsensible Vorgehensweise des Regisseurs. Statt eine subtile Grusel-Atmosphäre zu schaffen, die einen plötzlichen Schock um so stärker auf mich wirken lassen würde, ist Halloween 2007 permanent laut. Dabei zeigt die Kamera häufig zu viel, ohne wirklich zu erschrecken. Beispielsweise die Großaufnahme eines blutüberströmten Tieres: Diese Bilder begegnen uns täglich auf der Landstraße. Gerade das »nicht-zeigen« des Äußersten birgt aber die Möglichkeit Grusel zu erzeugen – die Bilder des Schreckens entstehen im Kopf des Zuschauers. Selbst die einzelnen Kampfszenen sind überraschend langweilig, jeder durchschnittliche Hollywood-Film verarbeitet das Zusammenspiel von Messer und Körper spannender.
Die Versuche die Handlung der Charaktere, beispielsweise durch plumpe Dialoge wie »Du hast seit 15 Jahren nicht mehr gesprochen«, zu motivieren, schlagen fehl. So stirbt Figur um Figur, ohne dass meine Gefühle berührt werden oder die Handlung vorangebracht wird. Es ist, als ob der Film ständig um ein und dasselbe Thema kreist: Man sieht die Brüste eines Cheerleaders – im Hintergrund taucht der Psychopath auf – das Mädchen entdeckt ihn, kreischt für eine gefühlte Minute – die Kamera wackelt und plötzlich fließt Blut.

Der Film ist weder Fisch noch Fleisch, weder ein spannender Grusel-Schocker, noch ein brutaler Splatter-Film. Die wenigen guten Einstellungen, wie eine schräge POV-Einstellung aus der Sicht des Opfers, oder die unglaublich brutal wirkende Szene des jungen Mike mit seinem Opfer im Wald können nicht über die schwache Gesamtleistung hinwegtäuschen. Dieser Film berührt mich nicht und kann allenfalls noch rülpsende Jugendliche begeistern, für die die Mischung aus Fäkalsprache, Rock'n Roll und Soft-Porno wie geschaffen scheint.

HALLOWEEN
USA 2007, 109min, Farbe
R: Rob Zombie
K: Phil Parmet