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»margin call«

Szene:
Großes Filmbüro in Hollywood.
Drehbuchschreiberling geht zu einem Filmproduzenten.

Hey Boss, ich hab eine super Idee für einen neuen Film.

Na dann erzählen sie mal.

Also das ganze spielt in einem kleinen Dorf. Kurz vor Ende des römischen Reiches. Kurz vor Anfang des Mittelalters.
Und da sind zwei Bauern. Beide werden später noch unwichtig. Der eine mehr, der andere weniger. Beide beobachten, wie an einem Tag einem Tag viele Leute aus dem Dorf an einer unbekannten Krankheit sterben. Das Dorf ist auch als erstes im ganzen Land betroffen. Unter den Toten war auch der Dorfälteste.
Der neue Dorfälteste beruhigt die beiden jedoch schnell, dass das noch lange nicht das Ende ist, da er immer einen lockeren Spruch vom Leder lässt.
Als der alte Dorfälteste gestorben ist, hat er dem einen Bauern ein geheimes nichtvollendetes Dokument über die geheimnisvolle Krankheit gegeben und zu ihm gesagt: „Sei vorsichtig.“
Also macht der Bauer, von Neugier gepackt, an das Dokument heran, um es zu entschlüsseln.
Dabei entdeckt er das dunkle Geheimnis der mysteriösen Krankheit. Er benachrichtigt sofort den anderen Bauern und den neuen Dorfältesten. Beide sind, wie der erste Bauer, erschüttert von dem Dokument.
Nun gehen alle drei zum Dorfhäuptling, um ihm von der gewonnenen Erkenntnis zu berichten. Da dieser nicht so richtig weiß, was er damit anfangen soll, machen sich alle vier auf zum Landesvater.
Doch der Landesvater und seine Berater, eine Kampfamazone und ein Mann aus einem weit entfernten Land, wissen auch keinen Rat, was sie jetzt genau machen sollen. Er befiehlt jedoch den alten Dorfältesten wiederzubeleben, um ihn um Rat zu fragen. Dies klappt aber aus irgendeinem Grund nicht.
Daher fangen alle an zu Gott zu beten. Der Bauer, der das Dokument entziffert hat, wird von Gott gebeten, es ihm so simpel wie möglich zu erklären.
Gott gibt ihnen natürlich eine Antwort. Doch nicht alle sind zufrieden mit der Antwort von Gott und so spinnt sich ein kleines Netz von Intrigen und Verrätereien zwischen den Protagonisten. …
Das wäre mal so das grobe Konzept. Es muss jetzt noch ein passendes Ende und die ganzen Feinheiten eingesponnen werden. Und heißen soll das ganze „Marcus Callus“. So soll der Bauer heißen, der die Reise der Helden anstößt.

OK. Klingt gut. Könnte man machen. Ich würde nur ein paar kleine Änderungen vornehmen.
Also Mittelalterfilme kommen ja gar nicht mehr so richtig an. Das muss heute und jetzt spielen. Das zieht die Leute ins Kino. Und die Krankheit müssen wir auch irgendwie ersetzen.

Ich hab eine Idee. Die Krankheit ist die Finanzkrise. Das ist aktuell. Das interessiert die Leute. Und die Figuren sind nicht mehr Bauer und so weiter, sondern kleiner Arbeiter, mittlerer Arbeiter, großer Arbeiter, Chef mit Anwältin und Berater und Oberchef. Und das Land ist eine Bank oder irgend so eine Firma, die irgendwas dauernd mit Zahlen rechnet. Wo keiner richtig versteht, was die da eigentlich machen. Deshalb ändern sie auch den Namen. Nennen sie es „Margin Call“. Das ist irgendein Begriff aus der Finanzwelt. Versteht eh keiner. …
Genauso ändern sie das.

Und wer soll alles mitspielen?

Ach da gehen sie einfach mal eine Etage tiefer zu Martha. Die hat das Schauspielerbingo entwickelt. Falls die Schauspieler ihnen nicht gefallen, ziehen sie einfach nochmal. Aber eine gute Mischung muss bei rauskommen. Alte und neue, bekannte und unbekannte.

Und wer soll das Ganze dann umsetzen?

Ach, nehmen sie irgendjemand unbekannten. Die Namen der Schauspieler tragen dann schon genug zum Erfolg des Filmes bei.
Und jetzt rasch an die Arbeit. Ich will das Drehbuch morgen auf meinem Tisch sehen.

Geht klar, Boss.

„Margin Call“
USA, 2010, 110 min
Englisch
Regie: JC Chandor
Darsteller: Kevin Spacey, Jeremy Irons, Demi Moore, Paul Bettany, Zach Quinto
Sektion: Wettbewerb