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»kameralinse«

um auch über die Filmeinstellung zu sprechen...

"I want my work to be liked and to be told that I'm good."

Ich kann mich ja glücklich schätzen, überhaupt noch Platz nehmen zu dürfen, auf der Randtreppe der dritten Empore beim Berlinale Talent Campus. Schließlich habe ich vorgestern nur ganze zehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung die Stresemannstraße 29 erreicht und wer wollte ihn schon nicht sehen - den langjährigen Kameramann Steven Spielbergs und zweimaligen Oscarpreisträger ("Schindler's List" und "Saving Private Ryan"), Janusz Kamiński? Eins muss man ihm ja lassen - er scheint seine Berufung gefunden zu haben und weiß, diese den angehenden Filmemachern auch noch bewusst in platter Hollywoodmanier zu präsentieren.

Filme hat der im sozialistischen Polen geborene Kinematograph (klingt nicht nur auch im Englischen besser als Kameramann) immer mit Freiheit assoziiert. In Hollywood einmal Fuß gefasst, sagt er, sei man(n) in der tolerantesten Industrie der Welt gelandet; der beste Job sei einem sicher und dort geht es (selbstver)wirklich(end) nur um work, work, work. Wenn man keine Arbeit in Hollywood hat, ist das allerdings auch nicht viel besser als in der Hölle gelandet zu sein, räumt er mit einem fahlen Grinsen ein.

Kamiński steckt trocken und cool seine target audience ab: Er möchte Filme für die Massen machen. Über seinen Steven hat er kein böses Wörtchen verloren; nur dass der Tom Hanks 20.000 $ am Tag bekommt und bei der Ankunft in "Saving Private Ryan" lediglich unkenntlich in Totalen zu sehen war, konnte Kamiński nicht ganz nachvollziehen. Die Filmkritiker (die in seiner ausgesparten Definition alle eine homogene, mit Papierkügelchen werfende Masse darzustellen scheinen) sind für ihn auch eher arme Würstchen.
(Slightly Offtopic: Fabian, hat es schon Antwort von Herrn Gottschalk und IchLiebeKino gegeben?)
Etwas gezwungen und noch indifferenter stellt Kamiński (sicher zum ersten Mal und ganz spontan) fest, dass es ja keine Auszeichnungen für Kritiken gibt. Er bevorzugt es, sich von den=dem Filmkritiker bashen zu lassen und Preise ins Regal zu stellen, um sich dann darüber zu freuen, dass die=der Filmkritiker weniger Staubfänger die ihrigen nennen können. Aber Kamiński müsste sich eigentlich gar keine Gedanken über FilmkritikER (ihm scheint es auch nicht um die Kritik an sich zu gehen) zu machen, da er über den Dingen stehen könnte, wenn er so locker ist, wie er vorzugeben scheint oder schlicht ist. Und schließlich ist er ja selbst sein schärfster Kritiker. Nicht umsonst spricht er nicht über Dinge, die schlecht gelaufen sind.

Vom (immerhin) publikumszugewandten Peter Crowie wurde Kamiński als experimenteller Kameramann vorgestellt. Verliebt in seine neue fun lense (700 $ am Tag), schwärmte er von ihrer Fähigkeit, einen beliebig groß ausgewählten Anteil der Einstellung (dem Einschnitt im Ausschnitt) scharf zu stellen; der Rest versinkt in Unschärfe. Kamiński war sehr stolz auf diese Linse, da sie sehr günstig ist und ihm bei den Proben immer viel Spaß bereitet. (Komisch, dass ich bereits heute in der visuell schlicht gehaltenen Low-Budget Produktion "Afterschool" von Antonio Campos, 2008, eben jenes Verfahren wirkungsvoll umgesetzt sehen konnte).

Cowie hat Kamiński auch als einen der innovativsten Kameraoperators seiner Zeit angepriesen. Kamiński, der das automatische Aufspalten eines Bildes in 24 Frames via digitaler Technik wenig enthusiastisch begrüßt, ist ansonsten vollkommen desinterressiert an jeglich digitaler Filmtechnik und verweigert das Antworten auf Fragen dieser Art vollständig. Schade, denn besonders bei der Entstehung digitaler (Hybrid-)Filmbilder (wie bei CGI etwa) ist doch die Frage nach einem Shot, nach deren Beschaffenheit in eine ganz neue Dimension vorgerückt. Aber vielleicht muss man ihm diese Ignoranz auch zugestehen, denn in Hollywood arbeitslos zu sein, muss wohl die Hölle sein.