Gern möchte ich der Aufforderung des Filmtitels folgen. Es gelingt mir nicht. Während der erste Schreibimpuls mich drängt ihn in Bausch und Bogen zu verreißen, verschiebt sich das Gefühl diesem Film gegenüber in eine Richtung, in die kein Film mich jemals bewegt hat. Ich empfinde tiefes, ehrliches, trauriges Mitleid ihm gegenüber. Wohlgemerkt, nicht seinen Figuren, nicht seinen Schauspielern und nur ein wenig seinem Regisseur gegenüber. Mein Mitleid gilt dem Film. Ich möchte ihm gern helfen, möchte ihn aus seiner Hermetik herausreißen, möchte ihm eine Diagnose anbieten, die im hilft sich mitzuteilen, statt seine Psychosen eins ums andere mal zu wiederholen. Ich glaube für ihn wäre es gut, wenn er sich mitteilen könnte, wenn ich ihn verstehen könnte, statt ihm nur dumpf gegenüber zu hocken und zu hoffen, dass er bald vorbei ist. Ich ahne, was hier geschieht, rieche den Abgrund, aus dem diese polierten Bildern heraussteigen. Mir ist die 8mm-Rhetorik nicht unvertraut, die er bemüht, aber wo sonst Erinnerung an etwas anderes aufblitzen, halten diese wenigen farbigen Einstellungen dem Rest nur den Spiegel vor, auf dass er seine Trostlosigkeit erkenne und einfach weitermache. An manchen Stellen wünsche ich mir, dass er noch etwas unverständlicher sei, denn mir schwant Autobiographisches und das Erscheinen des Regisseurs nach der Premiere kann diese Befürchtung nicht widerlegen.
Ich verlange nicht, dass Kino immer Auswege aus den Zumutungen des Lebens sucht. Aber Kino hat, buchstäblich, die Fähigkeit die Dinge in eine anderes Licht zu tauchen. Sie zu analysieren, ihre Klänge zu vergrößern und ihre Bilder zu begreifen. Kino kann Trost spenden oder Verarbeitungsprozesse in Gang setzen. Dieser Film entgeht all dem. Er verdoppelt das Grauen, von dem ihn sein Regisseur handeln lässt. Er sucht keine Alternative, fragt nicht nach der Vorgeschichte und entwirft keine Zukunft. Er ist in sich versunken und findet keinen Ausweg, so wie seine Figuren in sich und ihrer Welt gefangen sind. Einmal sagt eine der beiden Frau Blumenthals: Ich wusste, dass es sich eines Tages alles aufklärt. Sosehr sich das im Film als böse Ironie erweist, so sehr klärt auch der Film nichts auf. Er ist ein Rätsel, für mich, für seine Figuren und wohl auch für sich selbst. Ein schreckliches Rätsel, für das es keine Lösung gibt und dem ich nicht böse sein kann, das mich nicht fasziniert, das ich nicht verstehe, sondern mit dem ich nur Mitleid haben kann.
Folge mir.
R: Johannes Hammel
Österreich 2010
D: Daniela Holtz, Roland Jaeger, Simon Jung, Karl Fischer, Charlotte Ullrich, Oskar Fischer
Der Artikel erscheint auch auf www.andrewendler.de
Ich verlange nicht, dass Kino immer Auswege aus den Zumutungen des Lebens sucht. Aber Kino hat, buchstäblich, die Fähigkeit die Dinge in eine anderes Licht zu tauchen. Sie zu analysieren, ihre Klänge zu vergrößern und ihre Bilder zu begreifen. Kino kann Trost spenden oder Verarbeitungsprozesse in Gang setzen. Dieser Film entgeht all dem. Er verdoppelt das Grauen, von dem ihn sein Regisseur handeln lässt. Er sucht keine Alternative, fragt nicht nach der Vorgeschichte und entwirft keine Zukunft. Er ist in sich versunken und findet keinen Ausweg, so wie seine Figuren in sich und ihrer Welt gefangen sind. Einmal sagt eine der beiden Frau Blumenthals: Ich wusste, dass es sich eines Tages alles aufklärt. Sosehr sich das im Film als böse Ironie erweist, so sehr klärt auch der Film nichts auf. Er ist ein Rätsel, für mich, für seine Figuren und wohl auch für sich selbst. Ein schreckliches Rätsel, für das es keine Lösung gibt und dem ich nicht böse sein kann, das mich nicht fasziniert, das ich nicht verstehe, sondern mit dem ich nur Mitleid haben kann.
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R: Johannes Hammel
Österreich 2010
D: Daniela Holtz, Roland Jaeger, Simon Jung, Karl Fischer, Charlotte Ullrich, Oskar Fischer
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