Thursday, 25. February 2010, 16:18Uhr
Er gilt als einer der Wegweiser der Nouvelle Vague, Godard und „A bout de souffle“. Godard sagte einmal: „Die Nouvelle Vague war ein Bezug zum Imaginären, um den Begriff im gängigen Sinne zu verwenden.“ Wie imaginär oder welches Imaginäre?
Wir verfolgen Belmondo beim Diebstahl eines Wagens. Es wirkt entspannt, routiniert. Er spricht von der schönen Landschaft, den Frauen, seinen Erinnerungen. Spricht er nur zu sich, man glaubt es. Bis er direkt in die Kamera sieht und uns adressiert. Uns als Publikum, das in den Dialog treten, nachdenken soll. Die Welt, die wir uns vorstellen, in der Belmondo lebt, ist die Welt, die sich uns als imaginär präsentiert. Er reißt uns raus.
Godard legt im Schnitt einen Gang zu. Wir werden in Szenen gestoßen, die scheinbar willkürlich wirken. Abprubt beginnend, abprupt endend steht Belmondo vor einem Spiegel, am Tresen eines Hotels, am Zeitungskiosk. Durch diese Montagen gewinnt der Film an Charakter, der sich im Anschluss mehr und mehr entwickelt. Mit Bildern, die weniger perfekt, dafür lebendiger, mehr nach Fernsehen und Reportage aussehen.
So wie Belmondo spielt, wirkt es frei und ungezwungen. Das ist es, was er spielen will, was seiner Imagination entspricht. In einem Moment Zigarette an, dann wieder aus, sich unter einer Decke versteckend, um dann wieder zu telefonieren. Jean Seberg und Belmondo ergeben in Einstellungen Bilder, die einem Titelbild einer Zeitung entsprungen scheinen. In Posen von Stolz, Verachtung und Hingabe werden Szenen zu künstlerischen Werken. So wirkt eine Einstellung im Café in gestanzten Bildern nach, wird zu einem Nachbild im Übergang zur nächsten Szene. Es ist dieses ineinander Übergehende, was hier so fasziniert, abprupt/willkürlich und doch ein Gesamtbild ergebend. Die Grimassen, die Belmondo schneidet, bleiben so unverständlich und gehören doch dazu, zum Nachwirken der Bilder, dem Posieren. So frei wie Nouvelle Vague sein wollte, schwer in ein Korsett aus Definitionen zwingend, wie auch frei von Gesellschaftskritik im Film. Es sind Filme mehr der Moral und weniger des Stils. Die Freiheit mit der Waffe verteidigend und dem Leben zugewandt. So wie Belmondo, sich seiner Schuld bewusst, sich im Sterben seine Augen selbst schließt.
F, 1960, 90 Min., Jean-Luc Godard
- Retrospektive –
Wir verfolgen Belmondo beim Diebstahl eines Wagens. Es wirkt entspannt, routiniert. Er spricht von der schönen Landschaft, den Frauen, seinen Erinnerungen. Spricht er nur zu sich, man glaubt es. Bis er direkt in die Kamera sieht und uns adressiert. Uns als Publikum, das in den Dialog treten, nachdenken soll. Die Welt, die wir uns vorstellen, in der Belmondo lebt, ist die Welt, die sich uns als imaginär präsentiert. Er reißt uns raus.
Godard legt im Schnitt einen Gang zu. Wir werden in Szenen gestoßen, die scheinbar willkürlich wirken. Abprubt beginnend, abprupt endend steht Belmondo vor einem Spiegel, am Tresen eines Hotels, am Zeitungskiosk. Durch diese Montagen gewinnt der Film an Charakter, der sich im Anschluss mehr und mehr entwickelt. Mit Bildern, die weniger perfekt, dafür lebendiger, mehr nach Fernsehen und Reportage aussehen.
So wie Belmondo spielt, wirkt es frei und ungezwungen. Das ist es, was er spielen will, was seiner Imagination entspricht. In einem Moment Zigarette an, dann wieder aus, sich unter einer Decke versteckend, um dann wieder zu telefonieren. Jean Seberg und Belmondo ergeben in Einstellungen Bilder, die einem Titelbild einer Zeitung entsprungen scheinen. In Posen von Stolz, Verachtung und Hingabe werden Szenen zu künstlerischen Werken. So wirkt eine Einstellung im Café in gestanzten Bildern nach, wird zu einem Nachbild im Übergang zur nächsten Szene. Es ist dieses ineinander Übergehende, was hier so fasziniert, abprupt/willkürlich und doch ein Gesamtbild ergebend. Die Grimassen, die Belmondo schneidet, bleiben so unverständlich und gehören doch dazu, zum Nachwirken der Bilder, dem Posieren. So frei wie Nouvelle Vague sein wollte, schwer in ein Korsett aus Definitionen zwingend, wie auch frei von Gesellschaftskritik im Film. Es sind Filme mehr der Moral und weniger des Stils. Die Freiheit mit der Waffe verteidigend und dem Leben zugewandt. So wie Belmondo, sich seiner Schuld bewusst, sich im Sterben seine Augen selbst schließt. F, 1960, 90 Min., Jean-Luc Godard
- Retrospektive –
