Monday, 22. February 2010, 13:14Uhr
Zerstörung, die eigene und die der unmittelbaren Umwelt als Ausdruck des Unsagbaren, ist etwas, das die cineastische Aufmerksamkeit seit ihren frühen Anfängen erregt. Endlose Streifzüge durch Großstädte, Missionen, an deren Ende nur der Tod wartet und fatalistische Draufgänger bestimmen zu einem großen Teil die Kinogeschichte.
Die Figuren aus „A Crowd of Three“ scheinen nicht nur vor ihrer eigenen Geschichte davonzulaufen, sondern auch vor ihrer cineastischen Verantwortung, diesen Erzählkanon fortsetzen zu müssen.
Omori Tatsushi schafft für seinen Film statische, durchkomponierte Bilder, die nicht nur die Ausweglosigkeit seiner Geschichte verfestigen, sondern gleichsam seine Protagonisten stärker in das Genre und stärker in die Rollen zwingen. Die kleinste mimische oder gestische Abweichung kann stellenweise den Aufbau einer ganzen Szene ins Wanken bringen und die Schauspieler steuern wie ihre Figuren, dem Lauf der Dinge ergeben einem Ende entgegen, auf das sie keinen weiteren Einfluss haben. So scheint eben nicht nur die Unmöglichkeit ausbrechen zu können in der Geschichte sich zu finden, sondern auch im filmischen Prozess selbst verankert zu sein.
Natürlich herrschen Regieanweisungen als schicksalhafte Vorgaben für Schauspieler vor, dennoch findet sich durch die strikten Ideen Tatsushis auch die Schwermut der filmischen Figur, die einen Ausbruch aus dem eigenen Film nur wagen, aber nie vollziehen kann in diesem Roadmovie wieder. Wenn die drei Jugendlichen auf den Motorrädern gen Hokkaido fahren, ist die Kamera durch den Rahmen und das standbildhafte Arrangement umso präsenter als etwas, das es zu überholen gelte, aber nicht eingeholt werden kann.
Die Kameraarbeit Otsuka Ryos kennt keine Verfolgung der Figur, lässt keine weichen Übergänge zu, die Bildränder seiner Kompositionen sind keine Türen, die nach links und nach rechts sich öffnen. Jedes Bild fungiert als Zelle in der ein Fragment einer Geschichte sich vollzieht, eine Figur, abgetrennt vom nächsten Augenblick handelt, vom Ganzen nur umfasst als einzelnes Teil, von dem aus ein Überblick undenkbar ist. Der Fatalismus dem Kenta, Jun und Kayo erliegen ist so auch erkennbar als der Unwille, von Ereignis zu Ereignis getrieben zu werden ohne eine Wahl zu haben. Und die Ökonomie, der die Jugendlichen sich verweigern, die aus ihnen Quellen der Arbeitskraft, Ressourcen destruktiver Energien macht, ist in Tatsushis Werk auch die Ökonomie der Bilder, die aus den Figuren nur Vermittler einer Idee macht, personifizierte Staffagen, die immer nur da ankommen, wo die Kamera bereits ist. Umso tragischer ist ihr Weg zu beobachten, wenn sie als Freunde aufbrechen und im Rahmen dieser von allen Seiten fest abgesteckten Bedingungen nur noch auf sich selbst zurückgreifen können. Den Bruder im Knast zu besuchen ist keine eigene Entscheidung, sondern einzige Möglichkeit, ein Ziel auf der Insel der Verdammten zu bestimmen. Selbst Kayo, das Mädchen ohne Willen, war keine Wahl sondern ein Umstand, der sich ergab aus einem eigennützigen Fick, einfach nur existent, ein Angebot ohne Nachfrage, ökonomisch gesprochen.
Einzige Handlungsmöglichkeit, die den Figuren verbleibt ist die, in das Leben der Begleiter, der Gefährten und Freunde einzugreifen. Hier können sie kreativ werden, wie es ihr Arbeitsleben nicht zulässt und zerstörerisch wirken, wie es ihre Charaktere verlangen und in unmittelbarer Reaktion darauf den letzten Funken der eigenen Existenz wieder auflodern sehen. Demütigung, Verlassen und Gewalt um der Liebe Willen, ist alles was den haltlosen Waisen in jeder Beziehung bleibt, um sich durch den anderen spürbar zu machen. Schlussendlich treiben sie sich bis in den Tod, doch auch der bleibt ihnen versagt. Wieder ist es Tatsushi selbst, der sich als Grund für den Fatalismus seiner Geschichte entlarvt. Wenn Kenta als Kind mit dem Moped gegen ein fahrendes Auto fährt, dann ist das nur Tatsushis Handlungsapriori, die Geschichte danach in gewisser Weise eine Wiedergeburt. Happy Birthday Kenta, willkommen zurück. Selbst die Kugel, die Jun vor Verlustangst abfeuert, tötet nicht, sondern wird nur zu einem weiteren Schritt ins Nichts. Es sind Tatsushi und Ryo, die durch ihre strenge Komposition die Figuren künstlich am Leben halten, um das Aushalten des zugerichteten Lebens unerträglich zu machen. Erst als Ryo durch einen Schwenk auf das Meer die beiden Jungen zum Sterben freigibt, endet die Geschichte. Und nur durch diesen Schwenk, weg vom Tod, wird aus dieser Geschichte eine des Lebens und dann ist es auch verständlich, dass Tatsushi mit der ebenso fatalistischen aber weniger kompromisslosen Kayo die japanische Jugend im Kino allein lässt, auch wenn er ihr und ihrer naiven Liebessuche mit einer knallharten Schwarzblende eine Absage erteilt. CB
J, 2009, 135min, 35mm, B/R: Omori Tatsushi, K: Otsuka Ryo
Foto: Berlinale
Die Figuren aus „A Crowd of Three“ scheinen nicht nur vor ihrer eigenen Geschichte davonzulaufen, sondern auch vor ihrer cineastischen Verantwortung, diesen Erzählkanon fortsetzen zu müssen.
Omori Tatsushi schafft für seinen Film statische, durchkomponierte Bilder, die nicht nur die Ausweglosigkeit seiner Geschichte verfestigen, sondern gleichsam seine Protagonisten stärker in das Genre und stärker in die Rollen zwingen. Die kleinste mimische oder gestische Abweichung kann stellenweise den Aufbau einer ganzen Szene ins Wanken bringen und die Schauspieler steuern wie ihre Figuren, dem Lauf der Dinge ergeben einem Ende entgegen, auf das sie keinen weiteren Einfluss haben. So scheint eben nicht nur die Unmöglichkeit ausbrechen zu können in der Geschichte sich zu finden, sondern auch im filmischen Prozess selbst verankert zu sein. Natürlich herrschen Regieanweisungen als schicksalhafte Vorgaben für Schauspieler vor, dennoch findet sich durch die strikten Ideen Tatsushis auch die Schwermut der filmischen Figur, die einen Ausbruch aus dem eigenen Film nur wagen, aber nie vollziehen kann in diesem Roadmovie wieder. Wenn die drei Jugendlichen auf den Motorrädern gen Hokkaido fahren, ist die Kamera durch den Rahmen und das standbildhafte Arrangement umso präsenter als etwas, das es zu überholen gelte, aber nicht eingeholt werden kann.
Die Kameraarbeit Otsuka Ryos kennt keine Verfolgung der Figur, lässt keine weichen Übergänge zu, die Bildränder seiner Kompositionen sind keine Türen, die nach links und nach rechts sich öffnen. Jedes Bild fungiert als Zelle in der ein Fragment einer Geschichte sich vollzieht, eine Figur, abgetrennt vom nächsten Augenblick handelt, vom Ganzen nur umfasst als einzelnes Teil, von dem aus ein Überblick undenkbar ist. Der Fatalismus dem Kenta, Jun und Kayo erliegen ist so auch erkennbar als der Unwille, von Ereignis zu Ereignis getrieben zu werden ohne eine Wahl zu haben. Und die Ökonomie, der die Jugendlichen sich verweigern, die aus ihnen Quellen der Arbeitskraft, Ressourcen destruktiver Energien macht, ist in Tatsushis Werk auch die Ökonomie der Bilder, die aus den Figuren nur Vermittler einer Idee macht, personifizierte Staffagen, die immer nur da ankommen, wo die Kamera bereits ist. Umso tragischer ist ihr Weg zu beobachten, wenn sie als Freunde aufbrechen und im Rahmen dieser von allen Seiten fest abgesteckten Bedingungen nur noch auf sich selbst zurückgreifen können. Den Bruder im Knast zu besuchen ist keine eigene Entscheidung, sondern einzige Möglichkeit, ein Ziel auf der Insel der Verdammten zu bestimmen. Selbst Kayo, das Mädchen ohne Willen, war keine Wahl sondern ein Umstand, der sich ergab aus einem eigennützigen Fick, einfach nur existent, ein Angebot ohne Nachfrage, ökonomisch gesprochen.
Einzige Handlungsmöglichkeit, die den Figuren verbleibt ist die, in das Leben der Begleiter, der Gefährten und Freunde einzugreifen. Hier können sie kreativ werden, wie es ihr Arbeitsleben nicht zulässt und zerstörerisch wirken, wie es ihre Charaktere verlangen und in unmittelbarer Reaktion darauf den letzten Funken der eigenen Existenz wieder auflodern sehen. Demütigung, Verlassen und Gewalt um der Liebe Willen, ist alles was den haltlosen Waisen in jeder Beziehung bleibt, um sich durch den anderen spürbar zu machen. Schlussendlich treiben sie sich bis in den Tod, doch auch der bleibt ihnen versagt. Wieder ist es Tatsushi selbst, der sich als Grund für den Fatalismus seiner Geschichte entlarvt. Wenn Kenta als Kind mit dem Moped gegen ein fahrendes Auto fährt, dann ist das nur Tatsushis Handlungsapriori, die Geschichte danach in gewisser Weise eine Wiedergeburt. Happy Birthday Kenta, willkommen zurück. Selbst die Kugel, die Jun vor Verlustangst abfeuert, tötet nicht, sondern wird nur zu einem weiteren Schritt ins Nichts. Es sind Tatsushi und Ryo, die durch ihre strenge Komposition die Figuren künstlich am Leben halten, um das Aushalten des zugerichteten Lebens unerträglich zu machen. Erst als Ryo durch einen Schwenk auf das Meer die beiden Jungen zum Sterben freigibt, endet die Geschichte. Und nur durch diesen Schwenk, weg vom Tod, wird aus dieser Geschichte eine des Lebens und dann ist es auch verständlich, dass Tatsushi mit der ebenso fatalistischen aber weniger kompromisslosen Kayo die japanische Jugend im Kino allein lässt, auch wenn er ihr und ihrer naiven Liebessuche mit einer knallharten Schwarzblende eine Absage erteilt. CB
J, 2009, 135min, 35mm, B/R: Omori Tatsushi, K: Otsuka Ryo
Foto: Berlinale

