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Das am 27. April 2009 geführte Interview mit Emily Atef kann man hier nachhören:

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=28592

atef
Bildquelle: www.berlinbabylon14.de

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Kritik zum Film selbst:


Rebecca: „Alle waren begeistert von seinem Geruch. Ich habe nichts gerochen.“

Was tu ich hier eigentlich? Er sieht verkrampft aus. Dieses hilflose, nackte Wesen. Sein Bauch hebt und senkt sich. Er atmet schwer. Er räuspert sich. Er schließt seine Augen. Wenn meine Arme ihn jetzt noch tiefer in die Wanne absenken. Wenn ich ihn jetzt loslasse… wenn ich ihn jetzt loslasse… Meine Arme lassen ihn wieder auftauchen. Er hustet.


Julian: „Reiß dich doch einmal noch zusammen!"

Sie redet nicht mit mir. Sie reagiert überhaupt nicht. Als ob ich mit einer Wand sprechen würde… Das ist ungerecht. Wir hatten das doch gemeinsam besprochen. Warum arbeite ich so hart? Damit sie zusammen mit unserem Sohn zu Hause bleiben kann… Sie redet nicht mit mir.


Rebecca und Julian – ein junges Ehepaar, dessen Beziehung durch die Geburt ihres ersten Kindes stark erschüttert wird. Beide müssen sich voneinander abstoßen, um sich wieder annähern zu können. Das Ende des Films handelt nicht von Liebe, nicht von Nähe, sondern dem leisen Antizipieren des nächsten Morgens.


Deutschland 2008
R: Emily Atef
B: Emily Atef, Esther Bernstorff
K: Henner Besuch
D: Susanne Wolff, Johann von Bülow, Maren Kroymann, Herbert Fritsch
When You're Strange

Zunächst ein paar Worte zum Film: Das Interessante an dem Film ist einerseits die Musik der Doors, andererseits die Tatsache, dass das verwendete Videomaterial bisher noch nirgendwo sonst zu sehen war. Ich gehöre zu den wenigen Leuten, die die Doors zwar sehr mögen, jedoch kaum etwas über ihre Geschichte wissen/wussten, weshalb ich trotz der eher durchschnittlichen Qualität der Dokumentation einiges gelernt habe und mich nicht langweilen musste. Aber ich wollte gar nicht über den Film schreiben, sondern über den Regisseur.

Es gibt Leute, bei denen man sofort das Kotzen kriegt. Tom DiCillo ist so einer. Der werte Herr hat den Dokumentarfilm WHEN YOU'RE STRANGE zu verantworten, in dem er die Bandgeschichte von „The Doors“ nacherzählt. Beim üblichen Q&A nach der Vorstellung seines Films reißt er, noch bevor er zum Stehen gekommen ist oder die Moderatorin ihren Satz beendet hat, geschweige denn eine Frage stellen konnte, ihr das Mikrofon aus der Hand und beginnt sein Selbstdarstellungsprogramm.
Zunächst lässt er sich mit seiner Sonnenbrille (im Kino!) und seinem ekelhaft breiten Grinsen darüber aus, wie wundervoll es auch bei seiner tausendsten Besichtigung des eigenen Films gewesen sei, diese Magie und das Zusammenspiel der Doors als Band zu bewundern. Das wäre ihm dieses mal ja doch noch mal besonders aufgefallen. Auf Publikumsfragen reagiert er mit Scherzen auf Mario-Barth-Niveau, falls man da überhaupt das Wort Niveau benutzen darf. Eine Zuschauerin unterbricht er sofort mit einem überheblichen „Stop, stopstopstop, stop stop!“ als sie in einem Nebensatz (!) den Film THE DOORS von Oliver Stone ansprach und fährt fort, er habe nur drei Minuten von diesem „terrible, terrible movie“ gesehen, da er ihn so, aber auch sowas von schlecht fand. An diesem Punkt springe ich wütend auf und verlasse demonstrativ kopschüttelnd den Saal. Bei meiner Recherche im Internet bin ich dann auf ein drei Wochen altes Interview mit ihm gestoßen, aus dem ich gerne einige Stellen kommentieren möchte. Das gesamte Interview gibt es hier:
http://blog.spout.com/2009/01/20/tom-dicillo-when-youre-strange-interview-sundance-2009/.

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„At one point, he said, “Listen, why don’t you come and direct one of these Law and Orders“? And he pressured me a little bit, so I did it. It turned out well. They were pleased that I brought an acting sensibility. So the actors loved me, and I went back and I did another one, and I did two more. The producers liked it.“
- Aha, der Herr hat also eine „acting sensibility“, die man sonst nicht gewohnt ist? Und natürlich wurde er von den Schauspielern geliebt, wahrscheinlich hat er ihnen Sonnebrillen geschenkt! Bescheidenheit wird überschätzt...
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„[THE HIGHWAY, der Film von Jim Morrison] gave me this idea of making the film much more dramatic like a narrative feature, by using this character as Jim Morrison, wandering through the film. That was exciting."
- Das Problem ist dabei bloß, dass die Einschnitte des Films von Jim Morrison leider überhaupt nichts zur Dramatik beitragen sondern genau so wirken, wie man es hier lesen kann: Als eine Idee, die der Regisseur hatte. Wirkungsvoll war sie nicht. Und schon gar nicht exciting.
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„[Ein Freund von Jim Morrison] confirmed my suspicions. My instinct that Morrison was infinitely much more complex than just this raging drunk, that he was a human being, a boy at times.“
- An sich unglaublich. DiCillo zufolge braucht man anscheinend „suspicions“ und „instinct“ um hinter einem Rockstar ein „human being“ zu vermuten. Fucking sensible, würd ich mal sagen.
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- "That makes me wonder, what did you think about the Oliver Stone film about The Doors?"
- "It’s hard to answer that question without sounding judgmental. I don’t want to sound that way. I looked at the first three minutes and I had to turn it off. I just found it utterly phony. Now, a lot of people didn’t. John Densmore likes it."
- "Yes, he said that."
- "He likes it. So, you know, I just found it phony. I didn’t believe it. Then when I saw this real footage, I realized what was phony. It was that it was one-dimensional. It was completely one dimensional. No human being is one dimensional. No story is one dimensional. I was bored by it."
- Ich bin nach wie vor geschockt über diese Aussage. Auch seine Abschwächung der eigenen Aussage, er wolle nicht zu bewertend sein und viele Leute würden den Film mögen, stimmt mich nicht versöhnlich. Im Gegenteil, gegenüber den vernichtenden Einschätzungen, der Film wäre phony, one-dimensional und boring (und er hat nur drei Minuten des Films gesehen!) wirkt es noch grotesker und zweischneidig, was uns Herr DiCillo hier präsentiert.
- Außerdem: „No human being is one-dimensional.“ Im Ernst? Ein Zitat weiter oben wurde Jim Morrison doch von ihm selbst noch als die Entdeckung der Dimensionen eines human being gefeiert... zumal sein eigener Film auch nicht gerade vor Tiefe strotzt.
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"But, it’s not a straight documentary. That’s what I like about it. I think people will still see that it has elements of my sensibility."
- Gut, dass er es sagt. Ich habe jegliche sensibility schmerzlich vermisst und werde, sollte ich den Film unwahrscheinlicher weise noch ein mal sehen, verstärkt Ausschau halten.
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"I take it [Seinen Blog] seriously. I feel that if people write me an anonymous question or an anonymous statement, I’d love to respond to it. It touches me."
- Dafür wurde erstaunlich wenig seiner vielgerühmten sensibility bei der Q&A-Session gezeigt...

Da der Film auch handwerklich nicht herausragend ist und ich keinerlei persönliche Note entdecken konnte (was mich vermuten lässt, dass seine zukünftigen Filme auch nicht besser werden) fühle ich mich an dieser Stelle berechtigt, meinen kleinen, ganz persönlichen Tom DiCillo-Boykott auszurufen. Ganz im Sinne der Fantastischen Vier: Kein Applaus für Scheiße.
Mennan Yapo über die Arbeit an seinem Film “Die Vorahnung” und den Wahnsinn des Hollywoddsystems.

„Da stand also dieser Tisch im Weg, blockierte eine Beleuchtermatte und wir konnten nicht weiterdrehen“ erzählt Mennan Yapo „und der Beleuchter und noch zwei Leute stehen drum rum und gucken.“ Was sie denn da täten, hätte er sie gefragt, und darauf die Antwort erhalten: „We need a set decorator!“, weil nur der die Requisiten bewegen dürfe.
Wenn Mennan Yapo über sein erstes Hollywoodprojekt „Premonition“ (Die Vorahnung) spricht, sind seine Erzählungen voll von Anekdoten wie diesen.

Während der Dreharbeiten hatte der deutsche Regisseur besonders mit Problemen institutioneller Art zu kämpfen. So hatte er beispielsweise mit der „Fahrermafia“ zu tun, die so starken Einfluss auf die Setorganisation nahm, das alles immer per Shuttle hin und her transportiert werden musste, oder mit Gewerkschaftsspionen, die, als Kameraassistenten getarnt, penibel die Einhaltung der Arbeitszeiten überprüften. Hunderte solcher Schlachten hätte er täglich zu schlagen gehabt, so Yapo. „But anyway.“, das sagt er ziemlich häufig.

Er habe in dieser Zeit ein Sprichwort gelernt: „pick your battles“, denn es sei unmöglich gewesen sich gegen alle Widrigkeiten zu stemmen. Schweren Herzens habe er dann auch zwei Schlachten abgeben müssen, in denen sich der „inhaltliche culture clash“ zwischen ihm als Europäer und den amerikanischen Produzenten deutlich offenbart hätte. „Es gibt da zwei Dinge, die mir an dem Film überhaupt nicht gefallen, das eine ist das Lithium, das andere die Kirchenszene.“ Lithium ist nach europäischen Verhältnissen ein unglaubliches starkes Medikament, während es für die Amerikaner kein besonderes Problem darstellte es in den Film einzubauen. Mit der Kirchenszene, die nach ca. zwei dritteln des Films auftaucht, sprach der Regisseur tatsächlich den größten Schwachpunkt von „Premonition“ an. Zum einen bringt sie mit ihrer Länge von fast vier Minuten das Tempo des Films beinahe zum Erliegen und erzeugt einen Bruch in der Dramaturgie. Zum anderen sucht sie zwanghaft nach einer Erklärung für den Film, indem der Priester das 'große Buch der Vorahnungen' hervorholt und Linda rät, sich auf ihren Glauben zu besinnen. Das gibt der ganzen Geschichte einen religiösen Anstrich, der dem Film nicht gerecht wird.

Die Produzenten hätten aber auf die Szene in dieser Form bestanden, weil das amerikanische Publikum verrückt nach solchen „urban legends“ sei, und er wäre an dieser Stelle machtlos gewesen, so Yapo. „ But anyway.“ Dafür habe er es geschafft, den Starttermin des Films um drei Monate verschieben zu lassen, um mehr Zeit für den Schnitt zu gewinnen. So ist das eben in Hollywood. Mennan Yapo sieht sein Werk aber auch jetzt noch als unfertig an, er habe „Premonition“ vielmehr verlassen, als dass er den Film abgeschlossen habe.

Das Gespräch mit Mennan Yapo fand am 08.11.07 im Rahmen der Reihe „GuruTalk“ in Weimar statt.


Interview with Nanouk Leopold about her movie Wolfsbergen

Questions: Michael Bartlewski
Camera: Martin Schlesinger
16:07 min
Berlinale 2007
Germany