Wednesday, 11. February 2009, 23:27Uhr
Wieso dieser Film so gut funktioniert? Weil die drei genialen Gitarristen, um die es sich dreht, eben aus verschiedenen Generationen und Musikrichtungen kommen und jeder seinen eigenen Weg gefunden hat, die elektrische Gitarre als Instrument neu zu erfinden.
Jimmy Page (Led Zeppelin) funktioniert als der natürliche Musiker, der die Melodien fühlt und seine Fingerfertigkeit perfektioniert hat. Wenn er sich eine Schallplatte anhört und auf der Luftgitarre mitspielt, oder wenn er mit Jack White und The Edge zusammen jammt, kann man die Musik durch seinen ganze Körper fließen sehen.
The Edge (U2) ist dagegen der Purist, der nach neuen Soundsphären und Effekten sucht. Ein Bastler, der sich geduldig an einzelnen Rhythmuswechseln und Verzerrungen ewig versuchen kann, bis er das gefunden hat, was ihn glücklich macht. Passend dazu wird er beim Meditieren auf dem Dach des Hotels gezeigt. Seine Stärken zeigen sich in seiner Freude, als er der Kamera seine eigene, reinere Methode, einen E-Akkord zu spielen, präsentieren kann und in dem genialen Augenblick, als er eine neue Melodie vorstellt um danach durch die Abschaltung sämtlicher Effekte zu demonstrieren, dass er eigentlich nur zwei Akkorde immer abwechselnd im Halbtakt gespielt hat
Jack White (White Stripes, Raconteurs) komplettiert das ungleiche Trio als der durchgeknallte Erfinder, der stets nach neuen Ausdrucksweisen sucht, seine Energie und „Attitude“ (dieses Wort zu übersetzen ist nicht so einfach...) auszudrücken. In den ruckartigen, energiegeladenen Bewegungen auf der Bühne erkennt man sofort seinen Ursprung als Schlagzeuger wieder. Ein unbändiger Wille zur Kreativität treibt diesen Mann, der sich zur Not eine E-Gitarre aus einem Holzblock, einer Glasflasche, einem Stück Schnur, der Elektronik und ein paar Nägeln innerhalb wenigen Minuten selbst zusammenbaut. Easy, ain't it? Für ihn schon. Beeindruckend und charakteristisch auch sein Liveauftritt, während dem er sich an der Gitarre die Finger wund schrammelt, was ihn aber nicht ein mal zögern lässt, weiter zu spielen. Sein Instrument sieht hinterher aus, als wäre es zu Liquidierung zu aufdringlicher Fans benutzt worden.
Diese drei Musiker in einem Film zusammenzuführen, ist der eigentliche Geniestreich von Regisseur Davis Guggenheim. Auf sehr professionelle Art und Weise wird das Material geschnitten und präsentiert, nichts wirkt überflüssig. Dafür dröhnen die Riffs durch die Halle, als wolle der Film einen anschreien: Ich habe euch gewarnt! Und das ist gut so. Dass der Song, den die drei Virtuosen zum Schluss gemeinsam aufnehmen, bloß durchschnittliche Rock-Kost ist, fällt bei dem ganzen Spektakel wenig ins Gewicht. Was zählt, sind die unterschiedlichen Perspektiven auf dieses ebenso kraftvolle wie sensible Instrument. Page, Edge und White: Melodie, Klang und Energie – der Film ist ein Ganzes.
It Might Get Loud
USA/2008
R: Davis Guggenheim
D: Jimmy Page, The Edge, Jack White
Jimmy Page (Led Zeppelin) funktioniert als der natürliche Musiker, der die Melodien fühlt und seine Fingerfertigkeit perfektioniert hat. Wenn er sich eine Schallplatte anhört und auf der Luftgitarre mitspielt, oder wenn er mit Jack White und The Edge zusammen jammt, kann man die Musik durch seinen ganze Körper fließen sehen.
The Edge (U2) ist dagegen der Purist, der nach neuen Soundsphären und Effekten sucht. Ein Bastler, der sich geduldig an einzelnen Rhythmuswechseln und Verzerrungen ewig versuchen kann, bis er das gefunden hat, was ihn glücklich macht. Passend dazu wird er beim Meditieren auf dem Dach des Hotels gezeigt. Seine Stärken zeigen sich in seiner Freude, als er der Kamera seine eigene, reinere Methode, einen E-Akkord zu spielen, präsentieren kann und in dem genialen Augenblick, als er eine neue Melodie vorstellt um danach durch die Abschaltung sämtlicher Effekte zu demonstrieren, dass er eigentlich nur zwei Akkorde immer abwechselnd im Halbtakt gespielt hat
Jack White (White Stripes, Raconteurs) komplettiert das ungleiche Trio als der durchgeknallte Erfinder, der stets nach neuen Ausdrucksweisen sucht, seine Energie und „Attitude“ (dieses Wort zu übersetzen ist nicht so einfach...) auszudrücken. In den ruckartigen, energiegeladenen Bewegungen auf der Bühne erkennt man sofort seinen Ursprung als Schlagzeuger wieder. Ein unbändiger Wille zur Kreativität treibt diesen Mann, der sich zur Not eine E-Gitarre aus einem Holzblock, einer Glasflasche, einem Stück Schnur, der Elektronik und ein paar Nägeln innerhalb wenigen Minuten selbst zusammenbaut. Easy, ain't it? Für ihn schon. Beeindruckend und charakteristisch auch sein Liveauftritt, während dem er sich an der Gitarre die Finger wund schrammelt, was ihn aber nicht ein mal zögern lässt, weiter zu spielen. Sein Instrument sieht hinterher aus, als wäre es zu Liquidierung zu aufdringlicher Fans benutzt worden.
Diese drei Musiker in einem Film zusammenzuführen, ist der eigentliche Geniestreich von Regisseur Davis Guggenheim. Auf sehr professionelle Art und Weise wird das Material geschnitten und präsentiert, nichts wirkt überflüssig. Dafür dröhnen die Riffs durch die Halle, als wolle der Film einen anschreien: Ich habe euch gewarnt! Und das ist gut so. Dass der Song, den die drei Virtuosen zum Schluss gemeinsam aufnehmen, bloß durchschnittliche Rock-Kost ist, fällt bei dem ganzen Spektakel wenig ins Gewicht. Was zählt, sind die unterschiedlichen Perspektiven auf dieses ebenso kraftvolle wie sensible Instrument. Page, Edge und White: Melodie, Klang und Energie – der Film ist ein Ganzes.
It Might Get Loud
USA/2008
R: Davis Guggenheim
D: Jimmy Page, The Edge, Jack White
