Saturday, 9. February 2008, 23:28Uhr
Rainer ist ein selbstgefälliger, rücksichtsloser Fernsehproduzent. Pega ist ein Waisenkind und ihr
Großvater nahm sich das Leben wegen einer Sensationsreportage, für die Rainer verantwortlich
war. Sie hegt Mordpläne gegen Rainer und provoziert einen Unfall. Krankenwagen. Rainer erfährt Läuterung in einer grotesken Realityshow-Traumsequenz. Krankenhaus.
Rainer denkt nach. Zeitungsausschnitt. Er begreift, warum sie ihn hasst und sagt »Es tut mir leid«.
Er ist jetzt Revoluzzer und kein Yuppiearsch mehr. Er weiß jetzt, dass seine Sendungen niveaulos waren, genauso wie die meisten anderen Fernsehprogramme auch. Seine Mission: Die Menschen von dieser andauernden Verdummung erlösen. Der Plan: TV-Quotenmanipulation. Die Operationszentrale: Ein verwaistes Motel. Das Team: Ein Haufen Langzeitarbeitslose. Nebenbei: Pega und Rainer kommen sich näher.
Am Ende: Sieg!
Statt des vom kapitalistischen Leitgedanken getriebenen Netzwerks aus Wirtschaft und Politik beherrscht nun eine Hand voll Idealisten das Fernsehen und alles wird gut. Ein heller Sonnenstrahl bricht durch die graue Wolkendecke und erleuchtet den trüben Intellekt der Bevölkerung. Schöne Neue Welt. Der Kulturwissenschaftler frohlockt: Das Fernsehen bildet jetzt die Wirklichkeit ab, das Medium mediiert – Gott sei Dank. Nur fröhliche Menschen. Väter spielen endlich wieder mit ihren Kindern und Jungendliche sitzen Reclam-Hefte lesend auf der Wiese, weil sie den Fassbinderfilmen nichts abgewinnen können, ist ja alles nur schwarzweiß.
Schwarzweiß. Koks macht gesellschaftsunfähig und wird ausschließlich von abgehobenen Managertypen konsumiert. Alkohol macht Spaß und schafft Anerkennung in der Gruppe. Darf es noch ein Bierchen mehr sein? Na klar, gern auch zwei oder drei! Vorzugsweise vom Nachtschalter an der Tanke. Fragwürdig formulierte Gegensätze, oberflächliche Äußerungen zum Medium Fernsehen und ein Exkurs in Sachen Marktforschung. Doch hauptsächlich ist der Film ein Statement für kulturell wertvolle Programmgestaltung, für das Fernsehen als Instrument der Volksbildung, oder sollen wir doch lieber den Flimmerkasten ganz ausschalten und ein gutes Buch lesen?
Mein Herz ist erfüllt von Zweifel und Unschlüssigkeit – es fällt mir schwer, dieses Lichtspiel zu lieben.
Den Film als Komödie zu verstehen, funktioniert für mich kaum. Ich bekomme zwar mit, wenn mich die Bilder belustigen sollen, doch verpuffen die Gags meist wirkungslos. Etwa wenn der ausgewiesene Alkoholiker einen endlos langen Schluck aus der Bierflasche nimmt. Die Lacher, welche während des ganzen Films aus dem dunklen Kinosaal an mein Ohr dringen, lassen sich an einer Hand abzählen.
Die Kamera hält mich emotional auf Distanz zu den Handelnden, selbst wenn sie den Darstellern noch so nah kommt. Rainers plötzliche Wutausbrüche nehme ich gelassen hin. Der Ausraster und die Handgreiflichkeit seines Chefs gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden schocken mich nicht. So hat es auch keinen Zweck, dass die Kussszene über mehrere Einstellungen hinweg zelebriert wird. Das wirkt aufdringlich und nervt mich nur. Die Entwicklung der Charaktere scheint mir in dem Raum zwischen den Sequenzen, an diesem Nicht-Ort, unauffindbar verloren.
Ich sehe eine Aneinanderreihung von Ist-Zuständen. Eine derartige, handlungsraffende Dramaturgie mag bei Seifenopern im Vorabendprogramm angemessen sein, weil sie hilft, wertvolle Sendeminuten für Werbeunterbrechungen frei zu
machen. Dieses Schema bei einem zweistündigen Kinofilm anzuwenden, ist in meinen Augen einfach nur grausam.
Großvater nahm sich das Leben wegen einer Sensationsreportage, für die Rainer verantwortlich
war. Sie hegt Mordpläne gegen Rainer und provoziert einen Unfall. Krankenwagen. Rainer erfährt Läuterung in einer grotesken Realityshow-Traumsequenz. Krankenhaus.
Rainer denkt nach. Zeitungsausschnitt. Er begreift, warum sie ihn hasst und sagt »Es tut mir leid«.
Er ist jetzt Revoluzzer und kein Yuppiearsch mehr. Er weiß jetzt, dass seine Sendungen niveaulos waren, genauso wie die meisten anderen Fernsehprogramme auch. Seine Mission: Die Menschen von dieser andauernden Verdummung erlösen. Der Plan: TV-Quotenmanipulation. Die Operationszentrale: Ein verwaistes Motel. Das Team: Ein Haufen Langzeitarbeitslose. Nebenbei: Pega und Rainer kommen sich näher.
Am Ende: Sieg!
Statt des vom kapitalistischen Leitgedanken getriebenen Netzwerks aus Wirtschaft und Politik beherrscht nun eine Hand voll Idealisten das Fernsehen und alles wird gut. Ein heller Sonnenstrahl bricht durch die graue Wolkendecke und erleuchtet den trüben Intellekt der Bevölkerung. Schöne Neue Welt. Der Kulturwissenschaftler frohlockt: Das Fernsehen bildet jetzt die Wirklichkeit ab, das Medium mediiert – Gott sei Dank. Nur fröhliche Menschen. Väter spielen endlich wieder mit ihren Kindern und Jungendliche sitzen Reclam-Hefte lesend auf der Wiese, weil sie den Fassbinderfilmen nichts abgewinnen können, ist ja alles nur schwarzweiß.
Schwarzweiß. Koks macht gesellschaftsunfähig und wird ausschließlich von abgehobenen Managertypen konsumiert. Alkohol macht Spaß und schafft Anerkennung in der Gruppe. Darf es noch ein Bierchen mehr sein? Na klar, gern auch zwei oder drei! Vorzugsweise vom Nachtschalter an der Tanke. Fragwürdig formulierte Gegensätze, oberflächliche Äußerungen zum Medium Fernsehen und ein Exkurs in Sachen Marktforschung. Doch hauptsächlich ist der Film ein Statement für kulturell wertvolle Programmgestaltung, für das Fernsehen als Instrument der Volksbildung, oder sollen wir doch lieber den Flimmerkasten ganz ausschalten und ein gutes Buch lesen?
Mein Herz ist erfüllt von Zweifel und Unschlüssigkeit – es fällt mir schwer, dieses Lichtspiel zu lieben.
Den Film als Komödie zu verstehen, funktioniert für mich kaum. Ich bekomme zwar mit, wenn mich die Bilder belustigen sollen, doch verpuffen die Gags meist wirkungslos. Etwa wenn der ausgewiesene Alkoholiker einen endlos langen Schluck aus der Bierflasche nimmt. Die Lacher, welche während des ganzen Films aus dem dunklen Kinosaal an mein Ohr dringen, lassen sich an einer Hand abzählen.
Die Kamera hält mich emotional auf Distanz zu den Handelnden, selbst wenn sie den Darstellern noch so nah kommt. Rainers plötzliche Wutausbrüche nehme ich gelassen hin. Der Ausraster und die Handgreiflichkeit seines Chefs gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden schocken mich nicht. So hat es auch keinen Zweck, dass die Kussszene über mehrere Einstellungen hinweg zelebriert wird. Das wirkt aufdringlich und nervt mich nur. Die Entwicklung der Charaktere scheint mir in dem Raum zwischen den Sequenzen, an diesem Nicht-Ort, unauffindbar verloren.
Ich sehe eine Aneinanderreihung von Ist-Zuständen. Eine derartige, handlungsraffende Dramaturgie mag bei Seifenopern im Vorabendprogramm angemessen sein, weil sie hilft, wertvolle Sendeminuten für Werbeunterbrechungen frei zu
machen. Dieses Schema bei einem zweistündigen Kinofilm anzuwenden, ist in meinen Augen einfach nur grausam.

