Wednesday, 31. January 2007, 15:49Uhr

„Ich will wissen ob ich mein Leben ändern muss und ob du der Grund dafür bist....“
In diesem Film ist alles ein wenig anders. Die Zeit ist verlangsamt oder gerafft, sie steht still oder wird einfach ausgelassen. Die Zeitebenen sind zueinander verschoben, die Orte scheinen nicht ganz real, sind von einem unwirklich schönen Licht durchflutet. Als würden sie hier nicht ganz hingehören, bewegen sich die beiden Hauptfiguren durch die Schauplätze. Es ist als würde sich alles in einer schwebenden Zeit- und Ortlosigkeit abspielen. Denn für die Geschichte ist es nicht wichtig, wann oder wo etwas stattfindet, sondern dass es stattfindet.
Beide Protagonisten leben außerhalb des urbanen Geschehens von Wuppertal. Sissi als Krankenschwester in der geschlossenen Abteilung der Psychatrie, Bodo auf einem Berg außerhalb der Stadt. Um sich zu finden, müssen beide ihre vertraute Umgebung verlassen, sie müssen all ihre Energien und Motivation aufbringen, um ihren bisherigen Schwebezustand zu durchbrechen.
Die Kamera lässt sich sehr viel Zeit, die Handlungen zu beschreiben, stets schwebt sie fast unmerklich über und durch die Szenerien. Immer wieder taucht die Wuppertaler Schwebebahn auf und ordnet die Geschichte einerseits in einen realen Kontext ein, unterstreicht aber andererseits auf subtile und doch wirksame Weise den Schwebezustand seiner Hauptfiguren.
Als Bodo ihr das Leben rettet weiß Sissi, daß sie diesen Zustand des schwebenden Stillstands verlassen muss, daß sie etwas ändern muss, um glücklich zu werden. Nach einem mißglückten Bankraub versteckt sie Bodo in einer Gummizelle. Erst hier begegnet er ihr zum ersten Mal nicht mit Argwohn und Abweisung. Die beiden sitzen sich gegenüber. Er fragt: warum wir beide? Während Bodo und Sissi zum ersten Mal eine zaghafte Annäherung wagen, nimmt das Bild hier bereits das Ende vorweg. In einer endlosen schwebenden Kreisfahrt schweißt die Kamera die beiden Protagonisten aneinander, verheiratet sie auf der visuellen Ebene:
Wir waren zusammen im Traum,
Bruder und Schwester,
Mutter und Vater,
Frau und Mann,
wir waren beides.
Dieser Film ist die Antwort auf die Frage, warum man nicht aufhören sollte an die Liebe zu glauben.
DER KRIEGER UND DIE KAISERIN
D 2000, 135min, Farbe
R: Tom Tykwer
