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Damals, zur 56. Berlinale hab ich (manche in Zusammenarbeit mit Wenke W.) ein paar Filme über die Berlinale gemacht. Nun sind sie in einem leichter konsumierbaren Format wieder im Netz. Alle damaligen Filme finden sich hier:

http://www.vimeo.com/album/62368

Der obige Film bezieht sich übrigens auf den Meister der festen Einstellung James Benning, der 2006 mit mehreren Filmen im Forum war.

Auf die Filmkritikfilme weise ich nur deshalb mal wieder hin, weil diese andere Form der Auseinandersetzung mit Film hier in letzter Zeit so selten war und ich nochmals alle herzlich dazu einladen möchte.

unterschichtenkino (MP4, 5,105 KB) (00:30min)

Ein Filmkritikfilm
zu
Free Rainer - Dein Fernseher lügt
R: Hans Weingartner
Deutschland 2007



Der neue Film ist alt!
Wir glauben an den Tod!


KurzFilmKritikFilm

Ein filmisches Feedback auf die
53. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
R: Martin Schlesinger
M: Pianosamples aus Memories, Johannes Mössinger & Wolfgang Lackerschmid, Joana´s Dance,
2000 Double Moon Records 71017
3:49 min
Deutschland 2007


R: Martin Schlesinger
3:20 min, Deutschland, 2007

Erkennen und Verfolgen, Angriff und Abwehr, Manöver und Kampf, und deren Ununterscheidbarkeit, Krieg und Arbeit und ihre Fortsetzung mit beschleunigten Mitteln, Maschinen- und Handarbeit, militärische, zivile und industrielle Ökonomien, Simulation und Realität, Abbild und Wirklichkeit, Bilder und Bildprozesse, operative Bilder, vielfältig beschreibbar, maschinelle, technische, synthetische, automatische, automatisierte, abstrakte, kalkulierte, errechnete Bilder, von Kameraaugen, Sensorenbilder, Bilder die nicht gesehen werden sollen, nur von blinden Maschinen, keine ästhetischen Bilder, die nicht nach ihrem Schönheitsgehalt befragt werden wollen, vielleicht Anti-Bilder, industrielle Bilder, Vision Tools, funktionale Kontrollbilder, Datenbilder, Messbilder von intelligenten Maschinen, Produktionsbilder, die Distanz schaffen und entstehen, weil das menschliche Auge nicht mehr an einen bestimmten Ort in der Produktion herankommt, blind ist für Details und unter bestimmten Bedingungen nicht mehr eingreifen kann, Bilder, in denen Bilder erkannt werden, Bilderkennungsbilder, Kriegsbilder eines sauberen Krieges, die beschützen und gleichzeitig zerstören, Destruktions- und Sicherheitsbilder, in denen Kriegsführung und Kriegsberichterstattung zusammenfallen, Simulationen, 3D-Bilder, Computerbilder, Grafiken, visualisierte Rechenvorgänge, Werbebilder, Lehrbilder, Propagandabilder, von Kameras aus dem Straßenverkehr, aus Supermärkten, von Parkplätzen, von Forschungseinrichtungen, Archivbilder, Dokumentationen, der Beobachtung und der Beobachtung der Beobachtung, dazu auch eigene Bilder und unverständliche Bilder, die für unser menschliches Auge erklärt werden müssen.





Erkennen und Verfolgen (2003)

"Schon im Deutschland von 1942 gelang es, einer Fernlenkwaffe eine Fernsehkamera einzubauen. Diese Fernsehbombe kam nicht mehr zum Einsatz. Erst 1991, aus dem Krieg der Alliierten gegen den Irak, gab es öffentlich Bilder zu sehen, die von Kameras in der Spitze des Projektils aufgenommen waren. Von filmenden Bomben, von Selbstmord-Kameras, die sich ins Ziel stürzten. Meist Bilder von militärischen Anlagen, auch von zivilen Brücken, die aber leer dalagen. Es gab keine Menschen zu sehen. Es ist bezeugt, dass in diesem Krieg viele Menschen starben und auch, dass Menschen im Zielgebiet der Kamera-Bomben zu sehen waren, die aber wurden nicht verbreitet. Kriegsführung und Kriegsberichterstattung fielen zusammen. Solche Bilder werden militärisch erzeugt und ebenso kontrolliert. Man baut den Projektilen Kameras ein, um sie aus der Distanz steuern zu können. Es gilt, das gegnerische Feuer zu vermeiden. Damit wird der Gegner entrückt. Der heutige, hochtechnische Krieg rechnet nicht auf den Menschen, nimmt die menschlichen Opfer höchstens billigend, sogar missbilligend, in Kauf." (Harun Farocki)

Regie, Buch: Harun Farocki – Kamera: Ingo Kratisch, Rosa Mercedes – Recherche, Regieassistenz: Matthias Rajmann – Ton: Louis van Rouki – Schnitt: Max Reimann – Mitarbeit: Michael Baute, Kilian Hirt, Mike Jarmon, Ondine Rarey -
Sprecherin: Margarita Broich – Redaktion: Inge Classen – Produktion: Harun Farocki Filmproduktion, Berlin, in Zusam-
menarbeit mit ZDF/3sat, 2003 – Länge: 58 Min. Format: Video, Farbe

http://www.farocki-film.de/




Photo Point, sponsored by Kodak
These points show you where you can't fail to take superb pictures.


„Im kalifornischen Disneyland gibt es an einigen Stellen „Kodak-Points“: Stellen, von denen aus man die besten Fotos des Vergnügungsparks schießen kann. Sind auch in unserer Alltagswelt inzwischen unsichtbare „Kodak-Points“ markiert, von denen die Welt gefilmt werden soll? Und wenn es so wäre: ist es dann überhaupt noch möglich Filme zu machen, „obwohl es schon von allem Filme gibt“ (Farocki)? Statt weiter eigene Bilder zu machen, produziert er seine eigene Version aus den Filmen und Bildern anderer.“

„Durch seine Arbeit mit vorgefundenen Bildern reagiert Farocki auf die Codifizierung die Filmbilder seit der Erfindung des Kinos erfahren haben, auf das „Gefühl, als ob nach 100 Jahren Film plus 100 Fernsehkanälen die filmischen Ausdrücke vorgebildet sind.
Den Begriff Found Footage verwendet Farocki selbst für diese Filme. Ich benutze ihn hier mangels eines besseren Begriffs. Ganz glücklich ist der Terminus nicht: Farocki arbeitet nicht mit Filmmaterial, das er gefunden, sondern nach dem er gesucht hat.“

„Farocki: Man muß keine neuen, nie gesehenen Bilder suchen, aber man muß die vorhandenen Bilder in einer neuen Weise bearbeiten, daß sie neu werden… Mein Weg ist es, nach dem verschütteten Sinn zu suchen und den Schutt, der auf den Bildern liegt, wegzuräumen.“

„Was Peter Tscherkassy über den Found Footage Film geschrieben hat gilt auch für Farocki: „Was betont wird, ist der Charakter des Gemachten, des Hergestellten im Unterschied zur scheinbaren Natürlichkeit im Verhältnis von Abbild und Abgebildetem.“

Tilman Baumgärtel: Vom Guerillakino zum Essayfilm: Harun Farocki. Werkmonographie eines deutschen Autorenfilmers, Berlin 2002, S. 178ff.





„…Ich bin Kinoglaz. Ich bin ein mechanisches Auge. Ich, die Maschine, zeige euch die Welt so, wie nur ich sie sehen kann. Von heute an und in alle Zukunft befreie ich mich von der menschlichen Unbeweglichkeit. Ich bin in ununterbrochener Bewegung, ich nähere mich Gegenständen und entferne mich von ihnen, ich krieche unter sie, ich klettere auf sie, ich bewege mich neben dem Maul eines galoppierenden Pferdes, ich rase in voller Fahrt in die Menge, ich renne vor angreifenden Soldaten her, ich werfe mich auf den Rücken, och erhebe mich zusammen mit Flugzeugen, ich falle und steige zusammen mit fallenden und aufsteigenden Körpern. Ich, die Kamera, habe mich auf Resultanten geworfen, manövrierend im Chaos der Bewegung, eine Bewegung nach der anderen in den kompliziertesten Kombinationen aufzeichnend. Befreit von der Verpflichtung 16-17 Bilder in der Sekunde aufzunehmen, befreit von zeitlichen und räumlichen Eingrenzungen, stelle ich beliebige Punkte des Universums gegenüber unabhängig davon, wo ich sie aufgenommen haben. Dies ist mein Weg zur Schaffung einer neuen Wahrnehmung der Welt. So dechiffriere ich aufs neue die euch unbekannte Welt.“

„…Der Helfer des Maschinenauges ist der Kinok-Pilot. Der nicht nur die Bewegung des Apparats lenkt, sondern ihm auch bei Experimenten im Raum vertraut; später wird dies der Kinok-Ingenieur sein, der die Apparate aus der Entfernung steuert. Ergebnis dieser gemeinsamen Aktion von befreiter und perfektionierter Kamera und strategischem menschlichen Gehirn, das steuert, beobachtet und berechnet wird eine außergewöhnliche frische und deshalb interessante Darstellung sogar der alltäglichsten Dinge sein…“

Dziga Vertov: Schriften zum Film, hrsg. v. Wolfgang Beilenhoff, München 1973, S. 20ff.





„Die Fotografie, die bewahrt; die Bombe, die zerstört. Das drängt jetzt zusammen.“

Harun Farocki zitiert in: Volker Pantenburg: Film als Theorie. Bildforschung bei Harun Farocki und Jean-Luc Godard, Bielefeld 2006, S. 217.


„Insbesondere in den drei Installationen mit dem Titel Auge/Maschine und dem daraus kompilierten Fernsehfilm Erkennen und Verfolgen steht dieser Bildtypus im Zentrum, für den Farocki selbst den Begriff >operative Bilder< geprägt hat. >Operativ< heißt in diesem Zusammenhang, dass das Bild in keiner Weise mehr >für sich< und einem potentiellen Betrachter gegenüber steht, sondern ganz zum Bestandteil einer elektronisch-technischen Operation wird. Ästhetische Maßstäbe sind hier von Kriterien der Funktionalität abgelöst worden. Beispiele für operative Bilder finden sich seit den neunziger Jahren in immer größerem Maße im militärischen und zivilen Sektor: Iris-Scanner dienen der eindeutigen Identifizierung, Wärmebildkameras registrieren Bewegungen, bild-basierte Navigationssysteme steuern Raketen und Automobile – all dies sind Beispiele für die alltägliche Berührung mit operativen Bildern. (…)
Die Bezeichnung >operativ< ist auch deshalb treffend, weil sie rückstandslos im Prozess der jeweiligen Operation aufgehen. Sie sind nicht zur separaten Veröffentlichung gedacht und müssen strenggenommen gar nicht als Bilder in Erscheinung treten, sondern entstehen lediglich als Zwischenprodukt innerhalb eines umfassenderen technischen Prozesses.“

Volker Pantenburg: Film als Theorie. Bildforschung bei Harun Farocki und Jean-Luc Godard, Bielefeld 2006, S. 227f.




The first Tomahawk missile to be fired into Iraq is launched from USS Bunker Hill in the Persian Gulf.


„Das erste Bild dieses Krieges: Am Morgen des 17. Januar filmen etwa ein Dutzend Besatzungsmitglieder der vorderen Brücke des Schlachtschiffes Wisconsin den Abschuß der Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf den Irak. Das letzte am 1. Februar: Ein Filmausschnitt im irakischen Fernsehen, in dem einer dieser Marschflugkörper zu sehen ist, der irgendwo das irakische Territorium in niedriger Flughöhe überquert…
Warum die Erinnerung gerade an diese Bilder? Weil dieses todbringende Gerät ein ROBOTER ist, weil es eine Maschine ist, die den Übergang vom industriellen zum postindustriellen Krieg markiert und weil es sich um Vorläufer der jetzigen Sehmaschine handelt.“

„Die zum erstenmal bei einem Konflikt eingesetzten Marschflugkörper – zunächst von den Schlachtschiffen Wisconsin und Missouri aus, dann von den im östlichen Mittelmeer stationierten offensiven U-Booten aus – sind Ausdruck einer Automatisierung des Krieges, dessen wesentliches Merkmal die Langstrecken-Steuerung (bis zu 3000 Kilometer) ist. So verfügt etwa die Tomerhawk über eine Steuerung durch Bildkorrelation (Digital Scene Matching Area Correlation), die eine der ersten praktischen Anwendungen der zukünftigen >Sehmaschine< darstellt.“

„Als erster totaler elektronischer Weltkrieg entscheidet sich der Golfkrieg nicht allein an der Frontlinie eines geographischen Horizonts, sondern vor allem auf den Monitoren, den Kontrollbildschirmen und den Fernsehgeräten in der ganzen Welt. Die Perspektive des Schlachtfeldes ist nicht mehr die des Fluchtpunktes, sondern vielmehr die gleichzeitige Flucht aller Punkte, die der Pixel, aus denen das Bild der anzuvisierenden Ziele zusammengesetzt ist, durch deren Zerstörung der Feind vernichtet werden kann.“

„Angriff und Gegenschlag vermischen sich in einem techno-logistischen Mix, bei dem die Attrappen und Gegenmaßnahmen sich fortwährend weiterentwickeln und bald verselbstständigen werden, wobei das Bild zu einer durchschlagkräftigeren Munition wird, als es die ist, die es eigentlich nur darstellen sollte.“

Paul Virilio: Krieg und Fernsehen, aus dem Franz. übers. V. Bernd Wilczek, München 1993.

Siehe auch:

http://www.imdb.com/name/nm0267943/

Harun Farocki - Die Worte des Vorsitzenden (1967)


Film ansehen (1:13min)

Farbfilmfarbenflair. Auch wenn Wim Wenders fortwährend den Ton bzw. den Soundtrack große Rollen spielen lässt, sticht in Paris, Texas die Sichtbarkeit lauter ins Auge.
Kurz vor Abspann: Travis wartet auf das Wiedersehen zwischen Jane und Hunter. Während sich Mutter und Sohn umklammern, versammeln sich um Travis die wichtigsten Farben dieses Filmes - Rot, Grün, Blau. Für einen Moment scheinen die Dinge filmisch vereint; für die Dauer einer Einstellung familiär in Ordnung gebracht.

Farben funktionieren. Sie bestimmen die Sichtbarkeit der Dinge und entwickeln eine eigene Dramatik. Als Eigenschaft von Gegenständen springen sie mit diesen über die Schnitte und werden im Gegensatz zu andersfarbigen Objekten evident. Manche Sachen sind willkürlich farbig, andere sind durch spezifische Färbungen ausgezeichnet: eine rote Kappe, eine rote Bettdecke, das Ampelrot, ein rotes Auto. Blauer Himmel, ein blaues Kleid, blaue Augen, blaue Schuhe, Blue Jeans. Grüne Wiesen, grünes Tankstellenlicht.
In manchen Anordnungen sind Farben jedoch mehr als Merkmale. Dann ist es nicht nebensächlich, wo sich blaue, rote und grüne Objekte bemerkbar machen. Beispielsweise die grünen T-Shirts, die Jane und Hunter am Ende in einem virtuell erscheinenden Hochhausfenstergrün bekleiden. In diesen bedeutenden Situationen ist die Farbgebung einleuchtend: die Farben sind nicht mehr nur an Objekte gebunden, sondern werden symbolisch. Grün wird zur Hoffnung. Rot markiert Liebe oder Gefahr.

Auf einer dritten Stufe lösen sich die Farben sowohl von den Gegenständen, als auch von den Bedeutungen. Dann wird Farbe selbständig. Zum Beispiel als grüne Beleuchtung einer Küche oder auch als Kamerafilter, der ein Filmbild vollkommen einzufärben vermag. Hier wird Farbe zu einer Qualität vor allen Objekten, zu freier Farbe, die nicht mehr aussagbar ist, sondern nur sichtbar existiert. Reine Farbigkeit als bloße Möglichkeit, als Potential der Sichtbarkeit, als eine virtuelle Verbindung der Dinge.

In Paris, Texas erscheinen die Farben letztlich im Sinne dieses Bruchs zwischen Sicht- und Sagbarem, losgelöst von Dinglichkeiten und Symboliken, als Virtualität, die sich in konkreten Ge-Bilden aktualisiert.
Wenders Farbspiel verweist beharrlich auf das Medium, auf die Materialität des Films und seine Aufnahmetechnik. Das Rendezvous der Farben im Bild, ist immer schon eine Addition der Primärfarben auf dem Filmstreifen, das Baumaterial für jede mögliche Farbe im Auge des Betrachters.

Dinge und Wörter sind zweitrangig. Ihre Zusammenkunft mit Rot, Grün und Blau ist nicht selbstverständlich. Das Bewusstsein um die Kluft zwischen ihnen und der Welt der Farben macht ohnmächtig. In diesem Sinne ist Travis Schweigen zu Beginn des Filmes zu verstehen. Das fragile Verhältnis zwischen Sehen und Sagen manifestiert sich in seinem unmenschlichen Verhalten - "He run until any sign of man had disappeared".

Wie der Taxi Driver-Travis leidet der Wenders-Wander-Travis unter Schlaflosigkeit. Überhaupt lebt er zeitlos nahezu außerhalb aller gewohnten Grundbedürfnisse. Langsam beginnt er wieder zu essen, vorsichtig verlassen Worte seinen Mund. Nicht nur in der Wiederannäherung mit Hunter verhält er sich kindlich irrational. Der Ort, an dem er aufgefunden wird, nennt sich Trelingua - vielleicht ein Verweis auf die drei Sprachen Rot, Grün und Blau.
Travis ist vollkommen auf das Grundlegende reduziert. Er muss das Menschsein wieder erlernen, und vor allem ? noch schwieriger - auch das Vater-Sein. Als Vater muss er einem gewissen Bild entsprechen - siehe Szene mit dem Kindermädchen - oder sich bestimmter Gegenstände bedienen. Erst als Travis ein Auto besitzt, akzeptiert ihn Hunter als Vater. Der Vaterstatus ist kulturell. Eine Kreation von Medien, oder genauer, von Bildmedien.

Travis, der von seinem Bruder aus einem beinahe passiven Zustand geholt wird, muss erneut eine Ordnung in den Bildern finden, in denen er sich verlaufen hat. Dabei lodert in Paris, Texas eine Art Glaube: Mit dem Film, respektive mit Super8, werden für einen Moment die Lücken geschlossen. In den richtigen Bildern, in diesem Falle den filmischen Erinnerungsbildern, liegt ein Heilmittel gegen visuelle Störungen und Krankheiten. Dagegen vermitteln Wenders Fernsehbildschirme nur eintöniges Rauschen.

Wie auch immer in diesem Film von Familienmitgliedern über die Welt geredet wird, in letzter Konsequenz redet doch jeder an den Dingen vorbei. Gerade deshalb muss sich Travis immer wieder annähern, manchmal auch zweimal, um schließlich seine Geschichte erzählen zu können; um erneut Vater zu werden, der der Mutter den verlorenen Sohn zurückgeben kann. Das Wieder-Sehen zwischen dem an den Bildern (ver)zweifelnden Travis und Jane ist in Wirklichkeit ein Wieder-Hören. Er blickt sie nicht an, wenn er von seinem und auch ihrem Ereignis erzählt, sondern kann nur akustisch die Erfahrung reinigen, die in ihm die Entfremdung bewirkt hat. Erst wenn er diese, eine unpersönliche Geschichte zwischen Mann und Frau, ausformuliert hat, vereinen sich flüchtig ihre Gesichter in einer Glasscheibe. In einer Peepshow, dem Ort, der wohl selten mit wahrer Liebe konnotiert ist. Auch seinem Sohn kann Travis nur eine akustische Bandaufzeichnung hinterlassen.

Der Bruch bleibt bestehen. Beim zweiten Treffen zwischen Travis und Jane kündigt die Nichtfarbe Schwarz die Unmöglichkeit der Dreisamkeit an. Travis bleibt unterhalb der Lichtgeschwindigkeit in der Statik der Farben gefangen.

Paris, Texas ist ein Ort mit verschiedenen Bedeutungen, Symboliken und Konnotationen. Ein Foto, eine Wüste, unbewohnt, vielleicht unbewohnbar, ein Punkt auf der Landkarte, ein symbolischer Ort, für die Familie gekauft, Liebe, mögliche Heimat, neben dem Red River, erinnert, vergessen, wieder erinnert, erzählt ? und letztlich - nur ein Ort. Aber vor allem ein Film.

Während der Prophet auf der Autobahnbrücke noch den Autos statt den Menschen seine Visionen verkündet, lebt Hunter bereits im Star Wars-Zeitalter der Raumschiffe, in der Bilderwelt eines Familiendramas galaktischer Dimensionen, in denen das Westerngenre im Weltraumdesign ausverkauft wurde. Houstons Problem ist in diesem Film ein visuelles, dem sich Wim Wenders auch in The Lisabon Story stellt: Kann man trotz aller Reduktion auf die grundlegenden Möglichkeiten der audiovisuellen Speichertechniken, und trotz den Brüchen auf verschiedenen Ebenen noch Kino machen. Als filmische Antwort auf Paris, Texas sagt Wenders mittels The Lisabon Story eindeutig: Ja!

Paris, Texas
R: Wim Wenders
USA/D, 1984
FilmKritikFilm. Übersteuert. Unverständlich. Geschwätz.
Und der Farocki bleibt viel zu lange im Bild.
Film kann kritisiert werden - ist hier jedoch schon seine eigene Kritik. Zugleich Zitat: "Antrieb zu einem utopischen Schreiben jenseits des Textes, Versuch von bewegten Schrift-Bildern und Bilder-Schriften, deren Ort immer schon die Zukunft gewesen sein muss."


Film ansehen (8:00min)

FILM KRITIK
Weimar, Deutschland 2005, 8min, Farbe
R: André Wendler, Martin Schlesinger
Animation: Max Baberg
Weitere Beteiligte: Harun Farocki, Manuela Klaut, Susanne Pötzsch, Benjamin von Alemann, Sabrina Ginter, Heike Mages, Stefan Becker
Dank an: Ute Holl, Frederik Esser, Alex Böhm
Auf Film mit Film reagieren. Den Film so weiterführen, fortsetzen, übersetzen. Ins eigene Leben, in eigene Bilder, in einen eigenen Film übersetzen.

Wenn Film als Teil unserer alltäglichen Wahrnehmungsmaschinerie, genannt Leben, dieses, unser Leben verändert, an welchen Stellen taucht dann diese Veränderung wieder auf? Wie zeigt sich das bereits Wahrgenommene? Déjà-vu? Mit welchen Augen sehen wir die Welt? Und mit wessen?

Ausserdem sollen Formen und Formate erprobt werden. Möglichst neue natürlich. Wie kann man über Film... berichten, erzählen, nachdenken, streiten, allein mit filmischen Mitteln? Und welche Vorteile ergeben sich damit gegenüber Texten über Film? Welche Nachteile?

Nein, man muss es nicht lange begründen. Die Idee von Film als Kritik zu Film ist nicht neu. Was sich seit Godard & Co. allerdings maßgeblich verändert hat, ist einerseits die Technik, die es nun jedem ermöglicht eigene Filmbilder zu erzeugen und auf der anderen Seite, dank des Internets, die Selbstverständlichkeit eigene Texte zu veröffentlichen. Seit ein paar Monaten nun gibt es im Internet simple Systeme die beides miteinander verbinden. Man kann jetzt noch einfacher seine Filme einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Und, dass es eine Öffentlichkeit wird ist wichtig damit es weitergeht. Nach dem FilmKritikFilm kommt die FilmKritikFilmKritik usw.

Lasst die Bilder tanzen. Jeder ist eingeladen mitzumachen.

Man kann die FilmKritikFilme übrigens auch als VideoPodcast, Videocast, Vidcast,... für iTunes abonnieren. Dazu muss man sich nicht einmal anmelden. Einfach hier klicken oder im Musicstore abonnieren.

In der letzten Woche habe ich für interfilm Berlin, das von sich behauptet, das zweitgrößte Filmfestival in Berlin nach der Berlinale zu sein (glaub ich gern), einen Video Podcast, Videocast, was auch immer, produziert. Kleine persönliche Reaktionen auf das was ich während der Tage des Festivals so gesehen habe. Festivalkritik. Filmkritik. Filme darüber.

Meine anfängliche Vermutung, dass die vielen Kurzfilme irgendwann zu einem großen, unklaren Kloß zusammen schmelzen, bestätigte sich tatsächlich am 5.Tag, nachdem ich in einem Filmblock kurz eingeschlafen war.

Den kompletten Videocast kann man mit diesem Feed abonnieren oder auf der interfilm Webseite sehen. Ich will hier jedoch ein paar, in Hinblick auf Filmkritik besonders relevante, Episoden vorstellen.

Interfilm 06 - Reality Bites
Der erste Filmblock den ich sehe dreht sich um Dokumentarfilme und solche die vorgeben, welche zu sein. Ich versuche mich an Sub Dub von Matthias Meyer zu erinnern. Eigentlich kein Dokumentarfilm...
Film ansehen (4:00min)

Interfilm 10 - Filmriss
Mitten im Programm der New Yorker Experimentalfilmklassiker schlafe ich für 5 Minuten ein. Banause! Als ich wieder aufwache ist nichts mehr so wie vorher. Die bisherigen Tage und Filme während des interfilm Festivals sind wie zu einem Kloß zusammen geschmolzen. Ich bin etwas orientierungslos. Aber irgendwie ist dieser Zustand auch spannend. Die große interfilm Party im Berliner "Club 103" ist mir jedenfalls ziemlich egal. Ein guter Ort, um zu versinken. Wie im Kino.
Film ansehen (7:20min)

Interfilm 11 - Laudatio als Filmkritik

Am Abend der Preisverleihung werden viele Filme beschrieben und gelobt. Ich denke über die Laudatio als Filmkritik nach. Eine gute Möglichkeit, um die Filme der letzten Tage in Gedanken noch einmal Revue passieren zu lassen. Der zu Tränen gerührte Otto Sander wird mir im Kopf bleiben. Das interfilm Festival geht da zu ende.
Film ansehen (12:00min)

Die übrigen Episoden findet man hier...