Monday, 12. November 2007, 15:38Uhr
Mennan Yapo über die Arbeit an seinem Film “Die Vorahnung” und den Wahnsinn des Hollywoddsystems.
„Da stand also dieser Tisch im Weg, blockierte eine Beleuchtermatte und wir konnten nicht weiterdrehen“ erzählt Mennan Yapo „und der Beleuchter und noch zwei Leute stehen drum rum und gucken.“ Was sie denn da täten, hätte er sie gefragt, und darauf die Antwort erhalten: „We need a set decorator!“, weil nur der die Requisiten bewegen dürfe.
Wenn Mennan Yapo über sein erstes Hollywoodprojekt „Premonition“ (Die Vorahnung) spricht, sind seine Erzählungen voll von Anekdoten wie diesen.
Während der Dreharbeiten hatte der deutsche Regisseur besonders mit Problemen institutioneller Art zu kämpfen. So hatte er beispielsweise mit der „Fahrermafia“ zu tun, die so starken Einfluss auf die Setorganisation nahm, das alles immer per Shuttle hin und her transportiert werden musste, oder mit Gewerkschaftsspionen, die, als Kameraassistenten getarnt, penibel die Einhaltung der Arbeitszeiten überprüften. Hunderte solcher Schlachten hätte er täglich zu schlagen gehabt, so Yapo. „But anyway.“, das sagt er ziemlich häufig.
Er habe in dieser Zeit ein Sprichwort gelernt: „pick your battles“, denn es sei unmöglich gewesen sich gegen alle Widrigkeiten zu stemmen. Schweren Herzens habe er dann auch zwei Schlachten abgeben müssen, in denen sich der „inhaltliche culture clash“ zwischen ihm als Europäer und den amerikanischen Produzenten deutlich offenbart hätte. „Es gibt da zwei Dinge, die mir an dem Film überhaupt nicht gefallen, das eine ist das Lithium, das andere die Kirchenszene.“ Lithium ist nach europäischen Verhältnissen ein unglaubliches starkes Medikament, während es für die Amerikaner kein besonderes Problem darstellte es in den Film einzubauen. Mit der Kirchenszene, die nach ca. zwei dritteln des Films auftaucht, sprach der Regisseur tatsächlich den größten Schwachpunkt von „Premonition“ an. Zum einen bringt sie mit ihrer Länge von fast vier Minuten das Tempo des Films beinahe zum Erliegen und erzeugt einen Bruch in der Dramaturgie. Zum anderen sucht sie zwanghaft nach einer Erklärung für den Film, indem der Priester das 'große Buch der Vorahnungen' hervorholt und Linda rät, sich auf ihren Glauben zu besinnen. Das gibt der ganzen Geschichte einen religiösen Anstrich, der dem Film nicht gerecht wird.
Die Produzenten hätten aber auf die Szene in dieser Form bestanden, weil das amerikanische Publikum verrückt nach solchen „urban legends“ sei, und er wäre an dieser Stelle machtlos gewesen, so Yapo. „ But anyway.“ Dafür habe er es geschafft, den Starttermin des Films um drei Monate verschieben zu lassen, um mehr Zeit für den Schnitt zu gewinnen. So ist das eben in Hollywood. Mennan Yapo sieht sein Werk aber auch jetzt noch als unfertig an, er habe „Premonition“ vielmehr verlassen, als dass er den Film abgeschlossen habe.
Das Gespräch mit Mennan Yapo fand am 08.11.07 im Rahmen der Reihe „GuruTalk“ in Weimar statt.
„Da stand also dieser Tisch im Weg, blockierte eine Beleuchtermatte und wir konnten nicht weiterdrehen“ erzählt Mennan Yapo „und der Beleuchter und noch zwei Leute stehen drum rum und gucken.“ Was sie denn da täten, hätte er sie gefragt, und darauf die Antwort erhalten: „We need a set decorator!“, weil nur der die Requisiten bewegen dürfe.
Wenn Mennan Yapo über sein erstes Hollywoodprojekt „Premonition“ (Die Vorahnung) spricht, sind seine Erzählungen voll von Anekdoten wie diesen.
Während der Dreharbeiten hatte der deutsche Regisseur besonders mit Problemen institutioneller Art zu kämpfen. So hatte er beispielsweise mit der „Fahrermafia“ zu tun, die so starken Einfluss auf die Setorganisation nahm, das alles immer per Shuttle hin und her transportiert werden musste, oder mit Gewerkschaftsspionen, die, als Kameraassistenten getarnt, penibel die Einhaltung der Arbeitszeiten überprüften. Hunderte solcher Schlachten hätte er täglich zu schlagen gehabt, so Yapo. „But anyway.“, das sagt er ziemlich häufig.
Er habe in dieser Zeit ein Sprichwort gelernt: „pick your battles“, denn es sei unmöglich gewesen sich gegen alle Widrigkeiten zu stemmen. Schweren Herzens habe er dann auch zwei Schlachten abgeben müssen, in denen sich der „inhaltliche culture clash“ zwischen ihm als Europäer und den amerikanischen Produzenten deutlich offenbart hätte. „Es gibt da zwei Dinge, die mir an dem Film überhaupt nicht gefallen, das eine ist das Lithium, das andere die Kirchenszene.“ Lithium ist nach europäischen Verhältnissen ein unglaubliches starkes Medikament, während es für die Amerikaner kein besonderes Problem darstellte es in den Film einzubauen. Mit der Kirchenszene, die nach ca. zwei dritteln des Films auftaucht, sprach der Regisseur tatsächlich den größten Schwachpunkt von „Premonition“ an. Zum einen bringt sie mit ihrer Länge von fast vier Minuten das Tempo des Films beinahe zum Erliegen und erzeugt einen Bruch in der Dramaturgie. Zum anderen sucht sie zwanghaft nach einer Erklärung für den Film, indem der Priester das 'große Buch der Vorahnungen' hervorholt und Linda rät, sich auf ihren Glauben zu besinnen. Das gibt der ganzen Geschichte einen religiösen Anstrich, der dem Film nicht gerecht wird.
Die Produzenten hätten aber auf die Szene in dieser Form bestanden, weil das amerikanische Publikum verrückt nach solchen „urban legends“ sei, und er wäre an dieser Stelle machtlos gewesen, so Yapo. „ But anyway.“ Dafür habe er es geschafft, den Starttermin des Films um drei Monate verschieben zu lassen, um mehr Zeit für den Schnitt zu gewinnen. So ist das eben in Hollywood. Mennan Yapo sieht sein Werk aber auch jetzt noch als unfertig an, er habe „Premonition“ vielmehr verlassen, als dass er den Film abgeschlossen habe.
Das Gespräch mit Mennan Yapo fand am 08.11.07 im Rahmen der Reihe „GuruTalk“ in Weimar statt.
