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»csny déjà vu«

Neil Young alias Bernard Shakey hat einen Dokumentarfilm über die Reunion-Tour von Crosby, Stills, Nash & Young gemacht, die 2006 im Zuge der Kongresswahlen und des andauernden Irakkrieges beschlossen hatten, mit alten und neuen Songs auf Tour zu gehen, um das Bewusstsein der US-Amerikaner auf die Ungerechtigkeiten im und rund um den Krieg zu wecken und zu schärfen.
Wenn Kunst und Politik zusammenkommen, dann gibt es einen Knall. Irgend jemand wird sich immer aufregen. Das Publikum, Politiker, andere Verantwortliche, Angehörige etc. Im Glücksfall können die Künstler dann davon reden, etwas in Bewegung gebracht zu haben. Wäre mal ganz interessant zu wissen, wie das Bewusstsein in der Bevölkerunug um Missstände wäre, ohne das Engagement der Künstler. Aber kann Kunst eigentlich überhaupt ohne Politik betrieben werden? Neil Young als Musiker verweist in seinem Film darauf, indem er sagt, dass er nicht will, dass seine Musik ausschließlich und ununterbrochen politische Aussagen transportieren will. Bei aller politischen Arbeit ist Neil Young kein verbitterter Alt-Hippie, wie manche Kritiken das gesagt haben. Er tritt in Comedy-Talkshows auf und rockt auf der Bühne ab. Mit Politik direkt hat das nichts zu tun. Aber ich merke, dass es hier mehr um die filmische Umsetzung des Themas gehen sollte, als um das Thema selbst. Im Gegensatz zu Martin Scorseses "Shine A Light" geht es in "CSNY / Déjà Vu" mehr um die Planung und Motivation zur Reunion von Crosby, Stills, Nash & Young als um die Performance selbst. Die taucht nur zerstückelt auf, was irgendwann auf den Film sehr zerfahrend einwirkt. Es wirkt so, als hätte der Film viele verschiedene Anfänge und viele Enden, aber ein Mittelteil, einen Höhepunkt, gibt es nicht. Und genau wie bei Michael Moore krankt der Film an der Unentschiedenheit zwischen Fakten und Emotionen. Es gibt eine sehr starke Parallele zu "Fahrenheit 9/11", durch die Worte der Mutter eines ermordeten Soldaten, die unter Tränen den Sinn des Krieges anzweifelt. Ich habe das Gefühl, als ginge mich die Trauer der Mutter insofern nichts an, als dass ich immer bei echten Tränen das Gefühl habe, ich würde spionieren oder mich wie ein Voyeur verhalten. Die Trauer dieser Menschen ist sehr persönlich und ich verdächtige sie als Instrument, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Hier wird im Film mit dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" operiert, und das ist genauso falsch wie die Instrumentalisierung der Soldaten zur Durchsetzung der Zwecke der Regierung. Will der Film verändern oder etwas bewirken, darf es sich nicht der Mittel des vermeintlich Bösen bedienen. Nichtsdestotrotz bleibt "CSNY / Déjà Vu" ein extrem interessantes Dokument einer aktuellen Protestbewegung unter Musikern in den USA. Wenn man sich vielleicht die Frage gestellt hat, wo das Protestpotential der Woodstock-Generation geblieben ist, findet man hier eine Antwort darauf.

CSNY Déjà Vu
Neil Young
USA 2008