Friday, 6. February 2009, 15:45Uhr
70 mm - The Sound of Music
Mein gestriges Erlebnis angemessen zu beschreiben stellt sich für mich als eine nicht zu unterschätzende Aufgabe dar. Ich habe zum ersten Mal einen 70mm-Film gesehen. „The Sound of Music“ von 1965.
Die ersten Bilder der Berge und Täler Österreichs wirkten schon beeindruckend, aber noch wollte sich mir der vielgelobte Unterschied zu einem herkömmlichen 35mm-Film noch nicht offenbaren. Dann aber hüpfte auf ein mal Julie Andrews, das Titellied singend, über die grünen Wiesen. Der Kontrast der riesigen majestätischen Berge zu der zierlichen (auf der Leinwand nahezu winzigen und dabei doch deutlich zu erkennenden) Sängerin ließ mir Freudentränen in die Augen steigen, noch bevor sie ihr Lied zu Ende brachte. Heutzutage geht man, wenn man seinen Augen etwas spektakuläres zeigen möchte, meist in Streifen mit beeindruckenden Spezialeffekten. Dieser Film ist aber allein vom Bildinhalt her ein optisches Erlebnis bar jeder Beschreibung, wirklich zu schön um wahr zu sein. Das mag kitschig klingen, umschreibt aber ziemlich genau diese Faszination des Bildes, die mich die ganzen 172 Minuten über festgehalten hat. Wenn man das herunterklappen der eigenen Kinnlade nicht mehr als Klischee-Beschreibung versteht, sondern am eigenen Körper erlebt hat, weiß man um die Besonderheit der Situation, in der man sich befindet.
Die wirkliche Tragweite dieses Formates wird einem interessanterweise nicht in den opulenten Landschaftsbildern bewusst (wie ich vorher vermutet hätte), sondern entfaltet ihre Wirkung eher bei Szenen mit vielen Personen im Bild. Wenn am Ende des Films 16 Nonnen hinter einem Gittertor stehen, alle nebeneinander aufgereiht, und die Mimik einer jeden so deutlich erkennbar ist wie bei einer Großaufnahme, ist das nur eins von unzähligen Bildern, die ich so niemals im normalen Kino zu Gesicht bekommen werde. Nahezu jede der Einstellungen wird zum visuellen Erlebnis, zeitweise kamen sie mir wie bewegte Riesengemälde vor. Oder wie ein Fenster, durch dass ich in eine andere Welt schaue. Dieser Gedanke brachte mich auch zu einem Erklärungsansatz, wie man einem 70m-Neuling eventuell verdeutlichen könnte, was ihn erwartet: Dieses „Fenster in eine andere Welt“ ist Kino im Grunde schon immer gewesen. Mit der Zeit gewöhnen wir uns nur so sehr an das gezeigte, dass es zu einem Teil unserer alltäglichen Wahrnehmung wird.
Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Abstufung einschieben*: Dass Filme im Kino eine höhere Intensität besitzen als auf der heimischen Glotze, wird einem höchstwahrscheinlich von jedem Filmwissenschaftler und Kinogänger gepredigt, den man in seinem Bekanntenkreis hat. Dies ist auch eine nachvollziehbare Behauptung: Das Format von 4:3 entspricht weniger dem rechteckigen Blickfeld unserer menschlichen Sicht, weshalb 16:9 als angenehmer und auch realistischer empfunden wird. Der 70mm-Film bietet nun ein Format von 2.35:1, ist also noch mal um einiges breiter, sprich: echter. Auch der Ton soll, wie ich vernommen habe, hochwertiger sein. „The Sound of Music“ wirkte auf mich so echt, wie noch kein Film zuvor und das lag bestimmt nicht an der kitschigen und vorhersehbaren Story mit Disney-Familieneffekt. Es war, als könnte man die Szenerie anfassen, wenn man nach vorne zur Leinwand laufen würde. Wie ein Theaterstück ohne die Begrenztheit von Raum und Zeit.
Man erlebt etwas neues, von dem man sofort weiß, dass man es wieder probieren/sehen/hören/erleben muss. Das erste Stück Schokolade ist der Vorbote von vielen verschlungenen Tafeln und nach dem ersten Konzert der Lieblingsband entspringt ein Großteil der Euphorie der Gewissheit, dass man noch auf vielen weiteren tanzen wird.
Können Sie sich an ihren ersten Kinobesuch erinnern? Ich kann es nicht. Ich war zu jung, ich weiß nicht ein mal in welchem Film ich war. Aber es war mit Sicherheit beeindruckender als das erste mal Fernsehen. Stellen Sie sich einfach vor, Sie könnten noch ein mal „zum ersten mal“ ins Kino gehen. Ich wurde gestern daran erinnert, warum ich dieses Medium so liebe und was diese Faszination ausmacht, die es auf mich ausübt. Denn gestern war ich, auf eine gewisse Art und Weise, das erste mal im „wirklichen“ Kino. Kann der Start in die Berlinale schöner beginnen?
* Warnung: logische Schlüsse entspringen nicht wissenschaftlicher Arbeit, sondern allein meinen eigenen gedanklichen Schlussfolgerungen, für Richtigkeit übernehme ich keine Garantie
Mein gestriges Erlebnis angemessen zu beschreiben stellt sich für mich als eine nicht zu unterschätzende Aufgabe dar. Ich habe zum ersten Mal einen 70mm-Film gesehen. „The Sound of Music“ von 1965.
Die ersten Bilder der Berge und Täler Österreichs wirkten schon beeindruckend, aber noch wollte sich mir der vielgelobte Unterschied zu einem herkömmlichen 35mm-Film noch nicht offenbaren. Dann aber hüpfte auf ein mal Julie Andrews, das Titellied singend, über die grünen Wiesen. Der Kontrast der riesigen majestätischen Berge zu der zierlichen (auf der Leinwand nahezu winzigen und dabei doch deutlich zu erkennenden) Sängerin ließ mir Freudentränen in die Augen steigen, noch bevor sie ihr Lied zu Ende brachte. Heutzutage geht man, wenn man seinen Augen etwas spektakuläres zeigen möchte, meist in Streifen mit beeindruckenden Spezialeffekten. Dieser Film ist aber allein vom Bildinhalt her ein optisches Erlebnis bar jeder Beschreibung, wirklich zu schön um wahr zu sein. Das mag kitschig klingen, umschreibt aber ziemlich genau diese Faszination des Bildes, die mich die ganzen 172 Minuten über festgehalten hat. Wenn man das herunterklappen der eigenen Kinnlade nicht mehr als Klischee-Beschreibung versteht, sondern am eigenen Körper erlebt hat, weiß man um die Besonderheit der Situation, in der man sich befindet.
Die wirkliche Tragweite dieses Formates wird einem interessanterweise nicht in den opulenten Landschaftsbildern bewusst (wie ich vorher vermutet hätte), sondern entfaltet ihre Wirkung eher bei Szenen mit vielen Personen im Bild. Wenn am Ende des Films 16 Nonnen hinter einem Gittertor stehen, alle nebeneinander aufgereiht, und die Mimik einer jeden so deutlich erkennbar ist wie bei einer Großaufnahme, ist das nur eins von unzähligen Bildern, die ich so niemals im normalen Kino zu Gesicht bekommen werde. Nahezu jede der Einstellungen wird zum visuellen Erlebnis, zeitweise kamen sie mir wie bewegte Riesengemälde vor. Oder wie ein Fenster, durch dass ich in eine andere Welt schaue. Dieser Gedanke brachte mich auch zu einem Erklärungsansatz, wie man einem 70m-Neuling eventuell verdeutlichen könnte, was ihn erwartet: Dieses „Fenster in eine andere Welt“ ist Kino im Grunde schon immer gewesen. Mit der Zeit gewöhnen wir uns nur so sehr an das gezeigte, dass es zu einem Teil unserer alltäglichen Wahrnehmung wird.
Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Abstufung einschieben*: Dass Filme im Kino eine höhere Intensität besitzen als auf der heimischen Glotze, wird einem höchstwahrscheinlich von jedem Filmwissenschaftler und Kinogänger gepredigt, den man in seinem Bekanntenkreis hat. Dies ist auch eine nachvollziehbare Behauptung: Das Format von 4:3 entspricht weniger dem rechteckigen Blickfeld unserer menschlichen Sicht, weshalb 16:9 als angenehmer und auch realistischer empfunden wird. Der 70mm-Film bietet nun ein Format von 2.35:1, ist also noch mal um einiges breiter, sprich: echter. Auch der Ton soll, wie ich vernommen habe, hochwertiger sein. „The Sound of Music“ wirkte auf mich so echt, wie noch kein Film zuvor und das lag bestimmt nicht an der kitschigen und vorhersehbaren Story mit Disney-Familieneffekt. Es war, als könnte man die Szenerie anfassen, wenn man nach vorne zur Leinwand laufen würde. Wie ein Theaterstück ohne die Begrenztheit von Raum und Zeit.
Man erlebt etwas neues, von dem man sofort weiß, dass man es wieder probieren/sehen/hören/erleben muss. Das erste Stück Schokolade ist der Vorbote von vielen verschlungenen Tafeln und nach dem ersten Konzert der Lieblingsband entspringt ein Großteil der Euphorie der Gewissheit, dass man noch auf vielen weiteren tanzen wird.
Können Sie sich an ihren ersten Kinobesuch erinnern? Ich kann es nicht. Ich war zu jung, ich weiß nicht ein mal in welchem Film ich war. Aber es war mit Sicherheit beeindruckender als das erste mal Fernsehen. Stellen Sie sich einfach vor, Sie könnten noch ein mal „zum ersten mal“ ins Kino gehen. Ich wurde gestern daran erinnert, warum ich dieses Medium so liebe und was diese Faszination ausmacht, die es auf mich ausübt. Denn gestern war ich, auf eine gewisse Art und Weise, das erste mal im „wirklichen“ Kino. Kann der Start in die Berlinale schöner beginnen?
* Warnung: logische Schlüsse entspringen nicht wissenschaftlicher Arbeit, sondern allein meinen eigenen gedanklichen Schlussfolgerungen, für Richtigkeit übernehme ich keine Garantie
