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»capote«

Capote ? das ist eine leise und zarte Komposition aus in Kristallgläsern klirrenden Eiswürfeln. Das ist das Spiel mit dem Braun verschiedener Whiskeys und dem Braun eines sehr eleganten bis zum Boden reichenden Mantels. Das ist das Bild einer gottverlassenen Landschaft und eines Mannes, der seine unsicheren Schritte durch diese Bilder lenkt. Es ist der Blick in ein schönes Gesicht voller Angst. Es ist der Glanz von Scheinwerferlicht auf glatten blonden Haaren. Es ist der Blick in elegante Räume, der von einem ruhigen Soundtrack begleitet wird. Es ist der Name eines Films.

Capote ? das ist auch der Name eines Mannes, der in seiner Faszination für einen Mord selbst faszinierend wird. Es ist der Name für den Versuch nicht nur selbst eine Ikone zu werden, sondern sich das Grauen, die Furcht, die Angst, die leise Verzweiflung einer alles versprechenden Welt durch Zuhören und Schreiben anzueignen. Es ist der Ausweg eines Mannes aus einer Welt, die nur jene zu kennen vorgibt, die eben nicht hinaus wollen. Capote ist das Versprechen, das nicht schön oder schrecklich genug ist, um nicht daran zu Grunde zu gehen. Und es ist der Versuch dieses Zugrundegehen an der Welt zu formen und wenn nicht zu besiegen, so doch zwischen zwei Buchdeckel zu zwingen.

Capote, der Film ist ein unglaublich manirierter Film, der keine einzige unschöne Einstellung duldet. Es gibt keine unachtsamen Einstellungen, keine flüchtigen Kamerablicke. Jeder einzelne Augenblick auf Capotes Recherche wird zu einem Kinoereignis stilisiert: nie fehlen die passenden Klavierklänge, immer ist das Licht so eingerichtet, dass Capotes Alkoholismus von den wunderbarsten Drinks gefüttert wird, die je gemixt wurden. Gerade dieser manische Wille zur Ästhetisierung ist es, der den Film so wunderbar macht. Was andernorts übertrieben, lächerlich und sinnlos ist, erweist hier, dass der Film auf der Höhe seines Gegenstandes argumentiert. Denn nichts anderes als eine völlige Durchformung der Wirklichkeit mit den Mitteln der Literatur hat Truman Capote mit ?In Cold Blood? unternommen. Es erscheint also nur konsequent, wenn der Film mit Capotes Leben genauso verfährt. Wie in Capotes Roman der Mordfall und eine ganze Menge mehr steckt, so hat der Film Capote und eine ganze Menge mehr eingefangen. Momente, in denen ein Kinozuschauer weinen darf, Closeups, in denen das Gesicht von Philip Seymour Hoffman irgendwie zum Gesicht von Truman Capote wird.

Wenn man Capote als den vollkommensten Stilisten seiner Generation bezeichnet hat, dann muss man feststellen, dass Bennet Millers Bilder zumindest versuchen auf dieses Niveau zu kommen. Nicht nur, dass er sich keine Chance entgehen lässt, um Dinge nicht nur abzubilden, sondern zu zeigen, vorzuführen. In der Variation der Einstellungen zwischen extremen Closeups und Supertotalen und einer unglaublichen Rhythmisierung dieser Vielfalt im Schnitt wird die Figur Capotes als Bilderbogen entworfen. Man mag das an einigen Stellen kitschig finden, man mag das alles zu schön um wahr zu sein finden, aber genau genommen ist es schöner als wahr: es ist Kino.

CAPOTE
CA/USA 2005
R: Bennett Miller
K: Adam Kimmel
S: Christopher Tellefsen
M: Mychael Danna
D: Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins Jr., Mark Pellegrino