Tuesday, 18. December 2007, 22:20Uhr
Auschwitz als geografischer Ort. Auschwitz als Ort der Gegenwart. Robert Thalheim inszeniert Auschwitz als Ort, an dem all das passieren kann, was überall auf der Welt ebenfalls passiert. Liebe, Arbeit, Trauer. Sein Hauptdarsteller Sven Lehnert bleibt dabei selbst ein vollkommen weißes Blatt. Regisseur Robert Thalheim läuft nicht Gefahr, ihn mit einer Meinung auszustatten, die uns als Anschauer vielleicht nicht gefallen könnte. Er lässt ihn vielmehr zum Spielball des Ortes werden, an dem er gelandet ist. Und selbst das hat Sven Lehnert sich nicht selbst ausgesucht. Er kommt an einen Ort, an dem all das so geworden ist, wie man es sieht. Auschwitz als Konzentrationslager taucht nur am Rande auf. Auch im Bild ist es nur am Rande zu sehen. Bis auf eine Ausnahme, wenn Sven Lehnert Ania Lanuszewski kennenlernt, und man das ehemalige Lager von innen sieht, taucht es nur beim Vorbeifahren - mit dem Fahrrad oder dem Auto - und beim Vorbeigehen und auch beim Vorbeisehen auf. Dass am Lager hier vorbeigesehen wird, steht nicht symbolisch für das Wegsehen vor den Naziverbrechen. Sven Lehnert lernt, wofür der Ort heute auch noch da ist. Wofür Orte überhaupt da sind. Aber in Auschwitz scheine alle da zu sein, um den Ort mit Liebe anzufüllen und somit das Böse aus ihm auszutreiben, was dort vor über 60 Jahren geschehen ist.
