An dieser Stelle würde ich gerne eine Idee und einen Verbesserungsvorschlag zum Besten geben.
Erstens: Die Idee.
Wenn Deutsche Filme über ihre Vergangenheit machen, wird das entweder ein Film über die Nazizeit oder über die DDR. Anscheinend gibt es nichts anderes über was wir historische Spielfilme machen können oder wollen. Warum wir das machen ist bis heute ungeklärt.
Jedes Jahr erleben wir auf der Kinoleinwand oder im heimischen Wohnzimmer ein neues mitreißendes und herzergreifendes Schicksal aus dem mauerumringten Eiland in Mitteleuropa. Und Hitler, Goebbels, Speer und Konsorten werden auch jedes Mal von anderen Schauspielern dargestellt.
Doch als ob das jetzt nicht schon genug wäre. Denn auch in der BRD gab es ja etwas, was man irgendwie filmisch verwursten kann. Haben Sie es schon erraten? Richtig. Es sind die ´68er.
Den ersten richtigen Durchbruch für dieses Thema gab es mit dem Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“. Der war groß, der war erfolgreich, da haben alle deutschen Schauspieler mitgespielt. So sah es jedenfalls aus.
Dann kam noch ein kleiner Fernsehfilm über Rudi Dutschke, der aber kläglich unterging. Und jetzt gibt es eine sogenannte Vorgeschichte zum Uli-Edel-Film.
„Wer wenn nicht wir“. Er erzählt die Anfänge der ´68er anhand der Liebesbeziehung von Bernward Vesper und Gudrun Ensslin. Die Liebe scheitert, weil beide in verschiedene Richtungen des Widerstands driften und Ensslin mit Andreas Baader rummacht.
Und jetzt mein Vorschlag: Könnte man nicht die ganzen Streitigkeiten der Filmkritiker (Wer ist der beste Andreas-Baader-Schauspieler? Wer verkörpert am besten Rudi Dutschke?) umgehen, indem man einfach festlegt, wer in jedem neuen Film über die ´68er den jeweiligen historischen Charakter spielt?
Dann würde ich nämlich sagen, dass „Der Baader-Meinhof-Komplex“ aufgrund seines Erfolges, der Maßstab ist an dem sich nachfolgende Filme zu halten hätten.
Johanna Wokalek wäre immer Ensslin. Moritz Bleibtreu hätte als Baader wahrscheinlich am meisten zu tun. Genauso wie Sebastian Blomberg als Rudi Dutschke.
Man müsste sich nicht mehr merken, wer wen wo historisch korrekt dargestellt hat. Es gäbe nur noch einen Schauspieler oder eine Schauspielerin, die man sich merken müsste. Das wäre zum Vorteil für alle Zuschauer und auch für die jeweiligen Schauspieler. Denn die müssten sich keine Gedanken mehr um zeitweilige Arbeitslosigkeit machen. Sie würden ja jedes Jahr zu tun haben.
Und wenn man jetzt noch den ganzen historischen Kontext der ´68er verwursten möchte, könnte man dann nicht gleich eine Soap-Opera machen? Ich glaube Themen für mehrere Staffeln sind in vielen Geschichtsbüchern zu finden. Man könnte es ungefähr wie „Friends“ oder „How i met your mother“ aufziehen. Es gibt eine kleine Gruppe, die in jeder Folge mitspielen und die restlichen Charaktere sind nur für einzelne Episoden da. Und man könnte jede Folge mit einem schönen Cliffhanger beenden: Werden Gudrun und Andreas zusammen zur Demonstration gehen? Wie lange wird Buback noch in Gefangenschaft bleiben? Wird Benno von einem Wasserwerfer oder einer Kugel getroffen?
Ich hoffe ja die deutschen Filmemacher nehmen sich meine Idee zu Herzen.
Zweitens: Der Verbesserungsvorschlag.
Dies geht vor allem an die Leute, die die kleinen Texte im Berlinale-Journal schreiben. Ich zitiere nun ein Beispiel, welches mir besonders aufgefallen ist:
„Exemplarisch für die Schnittstelle von Innen und Außen steht Thomas Imbachs außergewöhnlicher Film „Day is Done“. Über mehrere Jahre hat der Schweizer Regisseur die Welt vor seinem Atelierfenster beobachtet und die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter archiviert. Das filmische Ergebnis ist eine vielschichtige Studie vergehender Zeit und künstlerischer Identität.“ (Berlinale Journal 2011, S. 53, S. 1, Z. 19)
Das ist doch nicht euer Ernst? Wen wollt ihr denn damit ins Kino locken?
Da kann ich ja genauso gut aus dem Fenster gucken und mir meine Mailbox anhören. Ich kann mir nicht so wirklich vorstellen, dass da irgendeine Art von Spannung aufkommen soll. Geschweige denn irgendeine Handlung. Wahrscheinlich passiert jeden Tag sowieso nur das gleiche.
Aber das müsst ihr doch besser verkaufen. Ihr müsst den Leser mit dem Text so auf die Folter spannen, dass er sich unbedingt diesen Film angucken muss. Ihr verratet ja schon in den drei Sätzen die ganze Handlung des Films. Es gibt also nichts mehr worauf sich der Zuschauer noch freuen kann. In die drei Sätze muss einfach mehr Spannung rein.
„Thomas Imbach hat in seinem Film „Day is Done“ ein mysteriöses Geheimnis, welches sich vor seinem Atelierfenster abspielte, aufgedeckt. Und sein Anrufbeantworter spielte dabei eine gar nicht so unwichtige Rolle.“
Das ist doch Spannung pur. Und das sogar in zwei Sätzen. Klingt zwar ein bisschen nach „Das Fenster zum Hof“, aber immer noch besser als ihr langweiliger Dreisätzler, der mich leider nicht ins Kino gelockt hat.

„Wer wenn nicht wir“
Deutschland, 2011, 124 min
Deutsch
Regie: Andres Veiel
Darsteller: August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling
Sektion: Wettbewerb

„Day Is Done“
Schweiz, 2011, 111 min
Schweizerdeutsch
Regie: Thomas Imbach
Sektion: Forum


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