Was macht man eigentlich dagegen, gegen den Krieg? Filme, das ist eine Variante. Vögel beobachten, eine andere. Eine, die nicht nahe liegen mag. Eine, die nichts antwortet gegen den Krieg, außer, dass es keiner ist. Filme machen liegt doch viel näher, am Krieg. Kriege machen Filme. Rüstungsindustrie und Hollywood liegen sich nicht fern, von fernem betrachtet, wenn man die Details ausspart und oberflächlich bleibt. Vögel hingegen sind so unschuldig wie kleine Kinder, die vor Bomben weglaufen. Der Spatz, der eines Tages in Holland den Dominokrieg auslöste, er wusste nicht, was er tat. Er war unschuldig und trotzdem verantwortlich dafür, dass de Mol und Co. in eine ihrer größten Krisen hineingerieten. 20 000 Dominosteine soll der Kleine umgeschmissen haben. Genau genommen, vermutlich sieben. Doch Dominos sind eben Dominos, so wurden schnell aus sieben 20 000 und aus dem Spatz ein toter Spatz. Ohne jegliche rechtliche Grundlage wurde ein Spatz getötet. Umweltschützer, Friedensaktivisten und Tierrechtler drohten in Briefen, die Frau des Jägers umzubringen. Aus Rache an dieser sinnlosen Tat. Sinnlos. Vögel beobachten. Sinnlos. Filme machen. Sinnlos. Krieg. Sinnlos. Ob nun in Holland ein Spatz getötet wird, in China ein Reissack umfällt oder in Afghanistan Menschen im Krieg stehen. Deutsche Soldaten in einem Krieg, der von der rot-grünen Bundesregierung gebilligt, gefordert, unterschrieben wurde.
Es ist kein Vietnam und doch wäre es nicht verwunderlich, wenn tagtäglich Menschenströme gegen dieses Unrecht demonstrierten. Doch es geschieht nichts. Der Spatz wird seltener, in den letzten zwanzig Jahren hat er bereits einiges einbüßen müssen und es ist kein Ende in Sicht. Es ist auch kein Krieg in Sicht, hier in Deutschland, in der Idylle weiter satter Felder, Windräder und grüner Wälder. Das macht es einfach, nicht auf der Straße zu stehen, mit wehenden Protestbannern und lauten Parolen. Was macht man, gegen den Krieg? Das fragt sich der Filmemacher, der Vögel beobachtend am Ende des Films ins Bild rückt. Das ist ziemlich kompliziert, ist die Antwort. Man macht Filme. Man beobachtet Vögel. Das ist alles immer noch besser als Krieg. Der Reissack, der umfällt. Das ist besser als Krieg. Der Märtyrerspatz, der für den Domino Day sterben musste, das ist besser als Krieg. Alles machen, außer Krieg, das ist besser als Krieg.
Philip Scheffner hat also einen Film gemacht. Einen Heimatfilm. Wer noch nie in Deutschland war, der will vermutlich nach dem Film einmal dorthin, in dieses Deutschland, vor allem nach Baden- Baden. Wären da statt der Spatzen nicht ab und an ein Kampfjet, man wüsste nicht um den Bundeswehrstützpunkt mittendrin, in diesem Deutschland, das seit 60 Jahren nicht mehr im Krieg war. Spatzen können eine Geschwindigkeit von 42 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Geschwindigkeit des Films ist langsam, an mancher Stelle langatmig. Sobald der Film anfängt, Stellung zu beziehen, ist der Raum des neutralen Vogelbeobachters verlassen. Wir beobachten nicht mehr nur Vögel, wir kommentieren sie. Wir kommentieren die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, die sich entscheidet, in dem Film nicht mitzuwirken. Gezwungenermaßen muss man anfangen, selbst Stellung zu beziehen, dabei saß man doch gerade noch bequem vor großen blauen Himmelaufnahmen, die an Yves Kleins blaues Bild erinnern und so kunstvoll sind, dass man keine Lust hat auf Politik. Das repetitive Runterbeten der Frage nach Krieg oder nicht Krieg wird lästig, nicht nur weil es die Kunst zugunsten der Politik verdrängt, sondern weil sie so oft gestellt wird, dass schnell klar wird, dass nur eine Antwort wirklich zu Wort kommen wird. Die anfänglichen Bestrebungen nach der distanzierten Haltung durch das Fernglas werden gebrochen, sodass Analogien gebrochen werden, die die Logik des Films aufheben. Die Politik in die Kunst zu holen ist stets eine Kunst für sich und daher immer schon gewagt. Die Problematik liegt in der Argumentation, sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite.
Politische Entscheidungen sind argumentative Entscheidungen, was es erschwert, sie in die Kunst zu übersetzen. Die künstlerische Entscheidung, Politik übersetzen zu wollen, bedarf außerdem einer eigenen Argumentation. Weder das eine, noch das andere wird von Film konsequent erfüllt. Trotzdem ist es kein schlechter Film. Es ist ein Spatz in der Hand, weniger die Taube auf dem Dach. Das ist besser als Krieg.
D 2010, 100', R: Philip Scheffner
Forum
Es ist kein Vietnam und doch wäre es nicht verwunderlich, wenn tagtäglich Menschenströme gegen dieses Unrecht demonstrierten. Doch es geschieht nichts. Der Spatz wird seltener, in den letzten zwanzig Jahren hat er bereits einiges einbüßen müssen und es ist kein Ende in Sicht. Es ist auch kein Krieg in Sicht, hier in Deutschland, in der Idylle weiter satter Felder, Windräder und grüner Wälder. Das macht es einfach, nicht auf der Straße zu stehen, mit wehenden Protestbannern und lauten Parolen. Was macht man, gegen den Krieg? Das fragt sich der Filmemacher, der Vögel beobachtend am Ende des Films ins Bild rückt. Das ist ziemlich kompliziert, ist die Antwort. Man macht Filme. Man beobachtet Vögel. Das ist alles immer noch besser als Krieg. Der Reissack, der umfällt. Das ist besser als Krieg. Der Märtyrerspatz, der für den Domino Day sterben musste, das ist besser als Krieg. Alles machen, außer Krieg, das ist besser als Krieg.

Philip Scheffner hat also einen Film gemacht. Einen Heimatfilm. Wer noch nie in Deutschland war, der will vermutlich nach dem Film einmal dorthin, in dieses Deutschland, vor allem nach Baden- Baden. Wären da statt der Spatzen nicht ab und an ein Kampfjet, man wüsste nicht um den Bundeswehrstützpunkt mittendrin, in diesem Deutschland, das seit 60 Jahren nicht mehr im Krieg war. Spatzen können eine Geschwindigkeit von 42 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Geschwindigkeit des Films ist langsam, an mancher Stelle langatmig. Sobald der Film anfängt, Stellung zu beziehen, ist der Raum des neutralen Vogelbeobachters verlassen. Wir beobachten nicht mehr nur Vögel, wir kommentieren sie. Wir kommentieren die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, die sich entscheidet, in dem Film nicht mitzuwirken. Gezwungenermaßen muss man anfangen, selbst Stellung zu beziehen, dabei saß man doch gerade noch bequem vor großen blauen Himmelaufnahmen, die an Yves Kleins blaues Bild erinnern und so kunstvoll sind, dass man keine Lust hat auf Politik. Das repetitive Runterbeten der Frage nach Krieg oder nicht Krieg wird lästig, nicht nur weil es die Kunst zugunsten der Politik verdrängt, sondern weil sie so oft gestellt wird, dass schnell klar wird, dass nur eine Antwort wirklich zu Wort kommen wird. Die anfänglichen Bestrebungen nach der distanzierten Haltung durch das Fernglas werden gebrochen, sodass Analogien gebrochen werden, die die Logik des Films aufheben. Die Politik in die Kunst zu holen ist stets eine Kunst für sich und daher immer schon gewagt. Die Problematik liegt in der Argumentation, sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite.

Politische Entscheidungen sind argumentative Entscheidungen, was es erschwert, sie in die Kunst zu übersetzen. Die künstlerische Entscheidung, Politik übersetzen zu wollen, bedarf außerdem einer eigenen Argumentation. Weder das eine, noch das andere wird von Film konsequent erfüllt. Trotzdem ist es kein schlechter Film. Es ist ein Spatz in der Hand, weniger die Taube auf dem Dach. Das ist besser als Krieg.
D 2010, 100', R: Philip Scheffner
Forum

Trotz kriminalistischem Geschick verwundert der sich nicht wirklich zur Spannung aufbauende Bogen. Mag es an fehlendem Trickreichtum oder dem abprupten Ende des Filmes liegen. Man wird zu oft in seinen Erwartungen allein gelassen, hofft auf weitere Verstrickungen und einfallsreichere Problemlösungen im Plot, Fehlanzeige. Thomas Arslan hält die Leine kurz, ausreichend, um einen Kreis zu ziehen, unzureichend, um neue Formen zu beschreiben. Zurück bleibt eine Hoffnung auf einen nächsten Film mit mehr Überraschungen und gerissenen Winkelzügen.
Ein überdimensionales Auge schaut in eine Kamera. Über die Iris laufen Namen. Namen von Männern größtenteils, die sogleich unter den Lidern verschwinden. Schon im Vorspann wird man Betrachter eines Vorspiels von Einschreibungen, wird man Zeuge der Männergewalt des Filmes, des Apparates, der sich um eine zierliche Catherine Deneuve aufbaut. Gerade liest man noch den Namen ihrer Maskenbildnerin, die ihr verstärkend zur Seite gestellt wurde, als die Kamera ablässt vom Objekt ihrer (seiner) Begierde und es als Makeup-Girl einer Beautyfarm entblößt. 


Unter den Kunstgriffen eines Mannes, eines Regisseurs ist die Nichtexistenz der Frau eben auch die Nichtexistenz der Frau im Film. Die Wahl ihrer Zeichen fällt immer auf seine Zeichen. Sie spricht ihn und sie handelt ihn. La femme n'existe pas. Die Frau ist und bleibt Lichtgestalt, immer mehr Bildträger, als Bild selbst. Sie ist eben Negativ, Nichtmann, Transparenz, Weiß, erkennbar im Bild nur da, wo Material nicht ist. Ein leerer Blick, der ins Leere schaut.
So wie Belmondo spielt, wirkt es frei und ungezwungen. Das ist es, was er spielen will, was seiner Imagination entspricht. In einem Moment Zigarette an, dann wieder aus, sich unter einer Decke versteckend, um dann wieder zu telefonieren. Jean Seberg und Belmondo ergeben in Einstellungen Bilder, die einem Titelbild einer Zeitung entsprungen scheinen. In Posen von Stolz, Verachtung und Hingabe werden Szenen zu künstlerischen Werken. So wirkt eine Einstellung im Café in gestanzten Bildern nach, wird zu einem Nachbild im Übergang zur nächsten Szene. Es ist dieses ineinander Übergehende, was hier so fasziniert, abprupt/willkürlich und doch ein Gesamtbild ergebend. Die Grimassen, die Belmondo schneidet, bleiben so unverständlich und gehören doch dazu, zum Nachwirken der Bilder, dem Posieren. So frei wie Nouvelle Vague sein wollte, schwer in ein Korsett aus Definitionen zwingend, wie auch frei von Gesellschaftskritik im Film. Es sind Filme mehr der Moral und weniger des Stils. Die Freiheit mit der Waffe verteidigend und dem Leben zugewandt. So wie Belmondo, sich seiner Schuld bewusst, sich im Sterben seine Augen selbst schließt.
ist hin- und hergerissen zwischen Lachen mit ihr und Lachen über sie. Es ist der Mix daraus. Wie viele ältere Damen trifft diese Überlegung? Viele. Es sind die, die in ihrer Generation der Kriegs- und Nachkriegszeit leben, sich dem Neuen nur schwer öffnen. Sie bereichern unsere Gesellschaft auf eine ausgefallene Weise aus Humor und Kritik. Das Dreigestirn von Enkelin, Tochter und Mutter lässt eine Urlaubsreise zu einem ausgewachsenen Erlebnis werden.

